Aktuelle Eindrücke zur Kartoffel

Sehr geehrte Kartoffelanbauerinnen und Kartoffelanbauer,

in Franken zeigt sich in der Kartoffel dieses Jahr ein komplett anderes Bild als in den letzten Jahren. Durch die meist ausreichend vorhandenen Niederschläge und moderate Temperaturen waren bisher ausgezeichnete Bedingungen für ein gutes Knollenwachstum gegeben. Lediglich in Ausnahmefällen findet man bisher Stresssymptome wie Verformungen, Kindelbildung, Zwiewuchs etc. Dies dürfte auf Stresseinflüsse durch die kühle Temperatur in der Jugendentwicklung zurückzuführen sein. Wider Erwarten findet man bereits trotz strahlungsarmer Witterung gute Stärkegehalte. Die ist umso wichtiger, da manche Bestände im Vermehrungsbereich aufgrund eines eher schwachen Ansatzes bereits Gefahr laufen, in der Sortierung über das Ziel hinaus zu laufen. Hier muss bereits über eine Sikkation nachgedacht werden, wofür aber ausreichende Stärkegehalte eine Grundvoraussetzung sind.

Was in diesem Jahr etwas auffällt ist der Umstand, dass noch im Knollenwachstum befindliche Bestände (heller Ring), teilweise bereits tendenziell überraschend hoch in der Stärke liegen.

Insgesamt zeigen sich die meisten Kartoffelbestände in diesem Jahr in einem top Zustand mit sehr gutem Ertrags- und Qualitätspotenzial.

Die Wermutstropfen dieses Jahr sind zum einen Bestände, die mit den Unwettersituationen konfrontiert waren. Waren hier die Kartoffeln 1-2 Tage im Wasser gestanden, so sind Fäulnissprobleme vorprogrammiert.

Aber auch ohne diese Extreme findet man in allen Regionen mehr oder weniger starke Krautfäuleprobleme, die aber bisher mit der richtigen Strategie zu kontrollieren waren. Problematisch ist es dort, wo eine konsequente Fungizidstrategie z.B. an der Befahrbarkeit der Flächen gescheitert ist.

Was ist derzeit zu tun?

Die Krautfäulesituation sicher und konsequent im Griff behalten.

Hier empfehle ich aktuell unbedingt die Vorteile von Ranman® Top (0,5 l/ha) zu nutzen. In einer etwas entspannteren Lage kann dann für einen Wirkstoffwechsel, bzw. zum Einhalten der indikationsbedingten Spritzabstände (v.a. bei Stoppspritzungen) auch auf Shirlan® (0,4 l/ha) zurückgegriffen werden.

Wenn, wie bei Stoppspritzungen erforderlich, ein Kurativpartner benötigt wird, bringt der Wirkstoff Cymoxanil im Cymbal® flow (0,5 l/ha) ein Maximum an rückwirkender kurativer Leistung.

Für den konventionellen – wie auch für den Bio-Landbau steht mit Airone® (3,1 l/ha) ein Kupferpräparat zur Verfügung, welches Kupfer in flüssiger Formulierung, sowohl als Oxychlorid (gute Dauerwirkung) als auch als Hydroxid (schnelle Anfangswirkung) enthält. Die Nebenwirkung des fein vermahlenen Kupfers auf Erwinia lässt sich natürlich auch im konventionellen Landbau nutzen.

Ausführliche Informationen zur Fungizidstrategie finden Sie im vorletzten Beitrag

Auch an die Bekämpfung der Alternaria denken!

Hier bietet sich Narita® (250 g/l Difenoconazol; 0,5 l/ha) als Zumischpartner zu den Krautfäuleprodukten an. Nicht zuletzt als wichtiger Baustein im Resistenzmanagement sollte Narita® in jeder Spritzstrategie vertreten sein.

Keimhemmung im Feld:

Sollte eine Keimhemmung im Feld mit dem Wirkstoff Maleinsäurehyrazid vorgesehen sein, so ist je nach Region, Sorte und aktueller Situation Ende Juli / Anfang August der richtige Zeitpunkt für den Einsatz von Himalaya® (5 kg/ha). Die Erfahrung zeigt, dass der Einsatz von Himalaya® in der Praxis eher zu spät als zu früh erfolgt. Wichtig ist, dass ausreichend Zeit für einen möglichst vollständigen Transport des Wirkstoffes in die Knollen zur Verfügung steht. Daher lieber 5 als 3 Wochen vor Beginn der natürlichen Abreife oder Sikkation anwenden. Weitere Details zur Anwendung wurden bereits im letzten Beitrag beschrieben.

Sikkation: der letzte Schritt im Feld vor dem Roden

Bei der Sikkation werden letzte, aber wichtige Weichen für Qualität, Lagerfähigkeit und Vermarktung der Knollen gelegt.

Nutzen Sie nach dem Wegfall des Wirkstoffes Deiquat unsere umfangreichen Erfahrungen bei der Sikkation mit Quickdown®, um ihre Kartoffelbestände sicher und qualitätsorientiert zu Abreife zu bringen.

Meine Empfehlung:

0,8 l/ha Quickdown® + 2 l/h a Toil® + 0,5 l/ha Ranman®Top

in 300 – 400 l/ha Wasser

Nach mind. 7 Tagen

0,8 l/ha Quickdown® + 2 l/ha Toil® + 0,5 l/ha Ranman®Top

in 400 – 500 l/ha Wasser

In stark wüchsigen oder krautstarken Beständen kann gegebenenfalls eine weitere Maßnahme mit einem anderen Sikkationsmittel erforderlich sein.

Erläuterung

  • Beginn der Sikkation etwa 5-7 Tage vor dem bisherigen Termin mit Deiquat
  • Zugabe von Ranman® Top schützt die Knollen vor Krautfäule und erhöht die Sikkationsleistung

Anwendungshinweise

  • Spritzung spätestens 5 h vor Sonnenuntergang, hohe Lichtintensität wichtig (sonnige Tage folgen)
  • Auf umfassende Benetzung achten
  • Folgeanwendung nach mind. 7 Tagen
  • Eine Mischung mit Ranman® Top erhöht die Sikkationsleistung und schützt vor Krautfäule während längerer Sikkationszeiten

Für eine individuelle Beratung stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

Helmut Schöler
Telefon 0171 – 743 35 81
helmut.schoeler@belchim.com