Auf der Schleimspur – kleine Schneckenkunde

Schnecken gehören in vielen Ackerkulturen zu den regelmäßig auftretenden Schaderregern. Insbesondere Nacktschnecken können erhebliche wirtschaftliche Schäden verursachen, indem sie sowohl auflaufende Bestände als auch etablierte Pflanzen schädigen. Fraß an Saatkörnern und Keimlingen kann im Extremfall das vollständige Auflaufen einer Kultur verhindern.

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Bedeutung in landwirtschaftlichen Kulturen

In der Praxis sind vor allem Acker- und Wegschnecken relevant. Diese Arten treten bevorzugt in feuchten Jahren sowie in Beständen mit günstigen Lebensbedingungen auf. Typische Schadbilder reichen vom Fraß an Keimlingen bis hin zu unregelmäßigem Loch- und Randfraß an älteren Pflanzen. Charakteristisch sind zudem silbrig glänzende Schleimspuren auf Boden und Pflanzenoberfläche.

Empfindliche Entwicklungsstadien verschiedener Kulturen sind:

  • Raps: bis zum 6-Blattstadium
  • Zuckerrüben: bis zum 6-Blattstadium
  • Getreide: bis zur Bestockungsphase
  • Mais: bis zum 5-Blattstadium
  • Feldfutter: bis etwa 3 vollständig entwickelte Blätter

Gerade Raps gilt als besonders gefährdet, da die empfindliche Phase vergleichsweise lange andauert.

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Morphologie und physiologische Eigenschaften

Nacktschnecken zählen zu den Landlungenschnecken. Im Gegensatz zu Gehäuseschnecken ist das ursprüngliche Gehäuse stark zurückgebildet und unter der Haut als Rudiment vorhanden. Eine dicke Schleimschicht schützt die Tiere vor Austrocknung und unterstützt ihre Fortbewegung.

Quelle links und rechts: Kompendium der Ackerschnecken

Typische Merkmale:

  • Fühlerpaare: Zwei Paare, wobei die oberen Augen tragen und Lichtunterschiede wahrnehmen
  • Mundwerkzeuge: Reibezunge (Radula) mit zahlreichen Zähnchen zur Zerkleinerung der Nahrung
  • Atemloch: Lage am Mantelschild ermöglicht Unterscheidung zwischen Arten
  • Mitteldarmdrüse: wichtig um Hungerphasen zu überbrücken
  • Schleimproduktion: wichtig für Bewegung, Schutz und Temperaturregulation

Die Fortbewegung erfolgt durch wellenartige Muskelbewegungen der Fußsohle auf einer Gleitschicht aus Schleim.

Mehr lesen Sie in unserer Schneckenfibel.

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Lebensweise und Fortpflanzung

Wichtige biologische Eckdaten:

  • Eigröße: etwa 2 mm
  • Schlupf: nach 2–4 Wochen bei optimalen Bedingungen
  • Temperaturoptimum: 15–20 °C
  • Aktivität: bereits ab etwa 1 °C möglich
  • Lebensdauer: etwa 6–8 Monate

Die Entwicklung ist stark temperatur- und feuchteabhängig. Niedrige Temperaturen verzögern zwar die Entwicklung, verhindern sie jedoch nicht.

Schnecken sind Zwitter und somit sowohl männlich als auch weiblich fortpflanzungsfähig.

Nach der Begattung legen sie ihre Eier in Gelegen von etwa 10 bis 70 Stück ab, bevorzugt unter Ernterückständen oder Erdklumpen. Pro Individuum können im Verlauf des Lebens bis zu 500 Eier abgelegt werden.

Der  Bewegungsradius der jungen Schnecken ist auf wenige Zentimeter begrenzt. Sie können bis zur Hälfte ihres Eigengewichtes an Futter aufnehmen.

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Aktivität und Verhalten

Schnecken sind überwiegend nachtaktiv, da sie nur begrenzt Wasserverluste ausgleichen können. Bei ungünstigen Bedingungen wie Trockenheit, Hitze oder intensiver Sonneneinstrahlung ziehen sie sich in geschützte Bodenbereiche zurück, beispielsweise in:

  • Bodenrisse
  • Hohlräume
  • Regenwurmgänge

Diese Verhaltensweise erschwert die Bekämpfung, da die Tiere nicht jederzeit zugänglich sind.

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Befallsfördernde Faktoren

Das Auftreten von Schnecken ist stark von Witterung und Bewirtschaftung abhängig. Besonders förderlich sind:

  • milde Winter
  • feuchte Sommer
  • moderate Temperaturen
  • klutige Böden
  • reduzierte oder pfluglose Bodenbearbeitung
  • dauerhafte Bodenbedeckung

Unter solchen Bedingungen kann es insbesondere ab Spätsommer zu erhöhtem Befallsdruck kommen.

In grobkrümeligem Saatbeet fühlen Schnecken sich wohl

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Fazit

Schnecken profitieren von feuchten, geschützten Lebensräumen und reagieren sensibel auf Bewirtschaftungsmaßnahmen. Für die Praxis bedeutet dies:

  • Risikoabschätzung anhand von Witterung und Standortbedingungen
  • besondere Aufmerksamkeit in empfindlichen Kulturstadien
  • frühzeitige Kontrolle und Monitoring
  • Anpassung der ackerbaulichen Maßnahmen zur Reduktion günstiger Lebensbedingungen

Eine erfolgreiche Regulierung setzt somit ein gutes Verständnis der Biologie und Lebensweise der Schnecken voraus. Maßnahmen sollten gezielt an den Befallsfaktoren ansetzen, um Schäden in kritischen Entwicklungsphasen der Kulturen zu vermeiden.