Pflaumenwickler:

Strategien für eine wirtschaftliche und nachhaltige Kontrolle

Harztropfen weisen auf einen Befall mit Cydia funebrana hin. Quelle: E. Lanz
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Der Pflaumenwickler (Cydia funebrana) ist einer der zentralen Schädlinge im integrierten Steinobstanbau. Besonders in wärmebegünstigten Lagen und bei mittelspäten bis späten Sorten kann er erhebliche Ertrags- und Qualitätsverluste verursachen. Ziel im integrierten Anbau ist es, den Befallsdruck unterhalb wirtschaftlicher Schadschwellen zu halten und gleichzeitig Nützlinge zu schonen sowie Pflanzenschutzmaßnahmen gezielt einzusetzen.

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Bedeutung im integrierten Pflanzenschutz

Im integrierten System steht nicht die vollständige Eliminierung des Schädlings im Vordergrund, sondern ein angepasstes Management basierend auf Monitoring, Schadschwellen und Kombinationsstrategien.

Besonders relevant ist:

  • hohe Variabilität des Befalls je nach Witterung
  • zunehmende Bedeutung durch mildere Temperaturen (teilweise 3 Generationen)
  • stärkerer Befall in später Sorten

Frühe Sorten benötigen häufig keine oder nur eine Maßnahme, während bei mittelspäten und späten Sorten (Hanita/Jojo, Presenta/Top) ein systematisches Vorgehen erforderlich ist.

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Monitoring als zentrale Entscheidungsgrundlage

Das Monitoring ist im integrierten Anbau unverzichtbar und bestimmt maßgeblich den Bekämpfungszeitpunkt.

Einsatz von Pheromonfallen

  • Ausbringung spätestens ab Ende April
  • Kontrolle mindestens einmal pro Woche
  • Erfassung von Flugbeginn und Flughöhepunkten

Funktion im integrierten System:

  • Festlegung des optimalen Behandlungstermins
  • Vermeidung unnötiger Pflanzenschutzmaßnahmen
  • Grundlage für Warndienst- und Prognosemodelle

Eine Bekämpfung erfolgt nicht kalendarisch, sondern ausschließlich auf Basis des tatsächlichen Befallsverlaufs.

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Pflaumenwickler (Cydia funebrana)

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Schadschwellenorientiertes Handeln

Im integrierten Anbau wird eine Behandlung nur dann durchgeführt, wenn:

  • ein erhöhter Falterflug festgestellt wird
  • günstige Witterungsbedingungen für Eiablage und Entwicklung vorliegen
  • ein relevanter Schaden insbesondere bei wertgebenden Sorten zu erwarten ist

Die erste Generation ist häufig nicht bekämpfungswürdig. Entscheidend ist der Befallsaufbau für die zweite Generation, die den wirtschaftlichen Schaden verursacht.

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Integrierte Bekämpfungsstrategie

1. Biotechnische Maßnahmen (erste Stufe)

Verwirrungstechnik (Mating Disruption)

  • Einsatz artspezifischer Pheromone
  • Störung der Partnerfindung
  • Reduzierung der Eiablage

Die Verwirrungstechnik ersetzt häufig die erste chemische Behandlung.

Bedeutung im integrierten Anbau:

  • Basismaßnahme in vielen Anlagen
  • sehr nützlingsschonend
  • besonders wirksam in größeren zusammenhängenden Anlagen

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2. Kulturtechnische Maßnahmen

Diese Maßnahmen sind im integrierten System obligatorisch und unterstützen alle weiteren Strategien:

  • konsequentes Entfernen von Fallobst
  • Einsatz von Wellpappgürteln zur Abfangung wandernder Larven
  • angepasste Sortenwahl (frühe Sorten sind weniger gefährdet)

Ziel: Senkung des Ausgangsbefalls und Unterbrechung des Lebenszyklus.

3. Biologische Verfahren

Trichogramma-Schlupfwespen

  • Parasitierung der Eier
  • Einsatz zum Flugbeginn (basierend auf Monitoring)

Diese Verfahren unterstützen insbesondere Betriebe mit reduziertem Mitteleinsatz oder in sensiblen Lagen.

Nematoden (Steinernema carpocapsae)

  • Bekämpfung überwinternder Larven im Boden
  • Anwendung im Herbst oder Frühjahr

4. Gezielter Pflanzenschutzeinsatz (zweite Stufe)

Wenn Monitoring und Prognosemodelle einen kritischen Befall anzeigen, erfolgt im integrierten Anbau eine gezielte Behandlung gegen die empfindlichen Stadien (Larvenschlupf).

Behandlungsstrategie

  • bevorzugt gegen die Generation. Zwei Behandlungen (Anfang Juli und Ende Juli/Anfang August)
  • exakter Zeitpunkt entscheidend (Eiablage → Schlupf)
  • Kombination mit Verwirrungstechnik möglich
  • Bei unterdurchschnittlichem Behang können auch mehr Behandlungen erforderlich sein

Wirkstoffe (beispielhaft)

  • Granulosevirus (CpGV) – nützlingsschonend
  • selektive Insektizide bei starkem Befallsdruck (z.B. Pyriproxyfen und Cyantraniliprole)

Grundsatz: So wenig wie möglich, so gezielt wie nötig.

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rosa Pflaumenwicklerlarven 

Bekämpfung mit Pyriproxyfen (Harpun®)

Vom 15. Mai bis 11. September 2026 darf Harpun® zur Bekämpfung des Pflaumenwicklers eingesetzt werden. Der Wirkstoff Pyriproxyfen gehört zu den Insekten-Wachstums-Regulatoren (IGR) wie Fenoxycarb (Insegar). Durch seinen sehr spezifischen Wirkechanismus ist er hoch selektiv. Dadurch ist er gegenüber Nützlingen wie Schlupfwespen nur schwach schädigend. Pyriproxyfen ähnelt dem natürlich vorkommende Juvenilhormon des Pflaumenwicklers und greift in den Hormonhaushalt des Pflaumenwicklers ein. Eine direkte Toxizität auf adulte Tiere oder ein Knock-down-Effekt sind nicht zu beobachten. Die Wirkung wird daher oft erst zeitversetzt sichtbar.

Wirkung:

  • Blockiert den Schlupf der abgelegten Eier
  • Hemmt die Metamorphose vom Nymphenstadium zur Adulten
  • Reduziert die Fruchtbarkeit weiblicher Adulter (gelegte Eier sind steril)

Unsere Empfehlung:

Im Juni-August gegen die 1. Generation Pflaumenwickler bei schwachem Behang und/oder hohem Befallsdruck.

Bei späten Sorten gegen die 2. Generation Pflaumenwickler. Der Zusatz eines Netzmittels (Karibu®) oder von Prev-Gold® (0,2%ig) verbessert und verlängert die Wirkungsdauer

Sortenspezifische Strategie im integrierten Anbau

Frühe Sorten

  • meist keine Behandlung erforderlich
  • Eingriffe (z.B. Harpun®) nur bei:
    • hohem Befallsdruck
    • schwachem Fruchtbehang

Späte Sorten

  • höheres Risiko durch zweite Generation
  • typische Strategie:
    1. Verwirrungstechnik oder Monitoring
    2. gezielter Pflanzenschutzeinsatz (z.B. Harpun® oder Cyantraniliprole) bei Bedarf

Bedeutung der Witterung

Die Entwicklung des Pflaumenwicklers ist stark temperaturabhängig:

  • Aktivität ab ca. 10 °C
  • Eiablage ab ca. 12–16 °C
  • schnellere Entwicklung bei warmen Sommern

Für den integrierten Anbau bedeutet das:

  • höhere Unsicherheit bei festen Spritzschemata
  • zunehmende Bedeutung von Prognosemodellen
  • regional differenzierte Strategien notwendig

Fazit

Der Pflaumenwickler lässt sich im integrierten Anbau nur durch ein abgestimmtes Gesamtsystem wirksam kontrollieren. Schlüssel zum Erfolg sind:

  • konsequentes Monitoring als Entscheidungsbasis
  • Priorisierung biotechnischer und biologischer Maßnahmen
  • gezielter, reduzierter Einsatz von Pflanzenschutzmitteln
  • Berücksichtigung von Sortenwahl und Standort

Ein strategischer Schwerpunkt liegt auf der Kontrolle der zweiten Generation, da diese den wirtschaftlichen Schaden verursacht.

Die Kombination aus Verwirrungstechnik, Monitoring und gezieltem Pflanzenschutz ermöglicht eine nachhaltige und wirtschaftliche Regulierung des Pflaumenwicklers im integrierten Anbau.