Apfelschorf vorbeugen:

7 Stellschrauben für gesunde Apfelbestände

Apfelschorf – Venturia inaequalis. Quelle: U. Schmidt-Dittmeier

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Apfelschorf zählt zu den wirtschaftlich bedeutendsten Krankheiten im Apfelanbau. Der Erreger Venturia inaequalis kann Blätter, Triebe und Früchte befallen und führt neben Ertragseinbußen vor allem zu Qualitätsverlusten im Tafelobstbereich. Da sich die Krankheit unter günstigen Witterungsbedingungen rasch ausbreiten kann, kommt der Vorbeugung eine zentrale Bedeutung zu.

Im Folgenden werden acht praxisrelevante Maßnahmen vorgestellt, mit denen Obstbaubetriebe und Berater den Infektionsdruck nachhaltig reduzieren können.

 1. Weniger anfällige Sorten wählen

Bereits bei der Sortenwahl können wichtige Weichen gestellt werden. Die Anfälligkeit gegenüber Apfelschorf unterscheidet sich je nach Sorte erheblich.

Während einige Marktstandards eine erhöhte Schorfanfälligkeit aufweisen, verfügen andere Sorten über eine bessere natürliche Widerstandsfähigkeit. Besonders bei Neuanlagen sollte die Schorfanfälligkeit neben Vermarktungsaspekten in die Sortenentscheidung einbezogen werden.

Erstellen Sie einen Spritzplan, um die natürliche Widerstandsfähigkeit der Sorten zu erhalten.

Praxisnutzen:

  • Reduzierung des Infektionsdrucks
  • Geringerer Pflanzenschutzaufwand
  • Höhere Ertragssicherheit

2. Durch Schnittmaßnahmen für ein günstiges Mikroklima sorgen

Feuchtigkeit auf Blatt- und Fruchtoberflächen ist eine wesentliche Voraussetzung für Schorfinfektionen. Eine lockere Kronenstruktur fördert die Durchlüftung und beschleunigt das Abtrocknen nach Niederschlägen oder Tau.

Regelmäßige Schnittmaßnahmen tragen daher nicht nur zur Fruchtqualität bei, sondern unterstützen auch die Krankheitsvorbeugung.

Wichtige Ziele des Schnitts:

  • Gute Lichtverteilung
  • Schnelleres Abtrocknen der Blattmasse
  • Verbesserung der Spritzbelagsverteilung

3. Stickstoffversorgung bedarfsgerecht gestalten

Eine übermäßige Stickstoffdüngung fördert starkes vegetatives Wachstum und verlängert die Phase mit schorfanfälligem Junggewebe.

Eine ausgewogene Nährstoffversorgung unterstützt dagegen einen harmonischen Wuchs und reduziert die Anfälligkeit des Bestandes.

Empfehlung:

  • Stickstoffgaben am tatsächlichen Bedarf ausrichten
  • Übermäßige Triebentwicklung vermeiden
  • Blattanalysen in die Düngestrategie einbeziehen

4. Falllaub konsequent managen

Das abgefallene Laub stellt das wichtigste Überwinterungsreservoir von Venturia inaequalis dar. Im Frühjahr werden von dort die Ascosporen freigesetzt, die für die Primärinfektionen verantwortlich sind.

Deshalb gehört das Laubmanagement zu den wirksamsten vorbeugenden Maßnahmen.

Mögliche Verfahren:

  • Förderung der natürlichen Laubrotte
  • Mulchen oder Häckseln des Falllaubs
  • Einarbeitung in den Boden
  • Unterstützung der mikrobiellen Zersetzung

Ziel: Reduzierung der Sporenmenge vor dem Austrieb.

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Infiziertes Laub ist eine Infektionsquelle im Frühjahr. Quelle: U. Schmidt-Dittmeier

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5. Bodenleben fördern

Ein aktives Bodenleben unterstützt den Abbau des infizierten Laubs. Regenwürmer und Mikroorganismen tragen dazu bei, organisches Material schneller zu zersetzen und potenzielle Infektionsquellen zu beseitigen.

Daher kann eine bodenschonende Bewirtschaftung indirekt zur Schorfvorbeugung beitragen.

Fördernde Maßnahmen:

  • Schonende Bodenbearbeitung
  • Ausreichende organische Substanz
  • Förderung der biologischen Aktivität

6. Witterung und Prognosemodelle nutzen

Nutzen Sie von Beginn an Prognossemodelle Modelle, um den richtigen Zeitpunkt für die Bekämpfung nicht zu verpassen!

Die Entwicklung von Apfelschorf hängt stark von Temperatur, Blattnässe und Luftfeuchtigkeit ab. Moderne Prognosemodelle ermöglichen eine präzisere Einschätzung des Infektionsrisikos.

Systeme wie RIMpro, SIMSCAB oder andere regionale Warndienste unterstützen Betriebe bei der Planung gezielter Pflanzenschutzmaßnahmen.

Vorteile von Prognosemodellen:

  • Optimierung von Behandlungsterminen
  • Vermeidung unnötiger Anwendungen
  • Verbesserte Wirkung vorhandener Maßnahmen

7. Pflanzenschutzmaßnahmen gezielt einsetzen

Trotz umfangreicher Vorbeugemaßnahmen bleibt in den meisten Erwerbsobstanlagen ein gezielter Pflanzenschutz notwendig.

Entscheidend ist dabei die Anpassung der Strategie an:

  • Sortenanfälligkeit
  • Infektionsdruck
  • Witterungsverlauf
  • Produktionsverfahren (integriert oder ökologisch)

Unsere Empfehlung bei Infektionshinweis bzw. ab Warndienstaufruf:

Vor der Anwendung sollten die Hinweise zu sortenspezifischen Unterschieden und Anwendungsbedingugen stets beachtet werden!

Zum Austrieb (konventionelle und ökologische Betriebe):

0,5-0,25 L/ha/mKh Cuprozin® progress oder 0,6-0,3 kg/ha/mKh Funguran® progress  (zum Blühzeitpunkt hin die Aufwandmenge reduzieren – sonst Gefahr verstärkter Berostung der Früchte)

oder nur für konventionelle Betriebe ab Mausohr-Stadium (BBCH51-54): 3,4-6,8 L/ha/mKh Frutogard®

Für spätere Infektionen nach der Blüte (konventionelle und ökologische Betriebe):

an Walnussgröße der Früchte ansteigend 0,25-0,5 L/ha/mKh Cuprozin® progress  oder 0,3-0,6 kg/ha/mKh Funguran® progress

oder 1,5 kg/ha/mKh Kumar®  zur Befallsminderung

Hinweis:

Kumar® sollte in empfindlichen Sorten wie Elstar max. 2-3 mal angewendet werden. In Apfel nicht mit Funguran® progress oder Cuprozin® progress mischen oder in der Spritzfolge alternieren.

Splitting: Bei Cuprozin® progress und Funguran® progress

Erläuterung zur Anzahl der Behandlungen:
Bei Behandlungen mit niedrigerer Dosierung (mit verminderter Wirksamkeit, z.B. im ökologischen Pflanzenbau) kann die maximale Zahl der Behandlungen erhöht werden, solange der für die Kultur und das Jahr vorgesehene Gesamtmittelaufwand nicht überschritten wird. 

Neben klassischen Fungiziden stehen heute auch verschiedene biologische und biotechnische Ansätze zur Verfügung. Grundlage jeder erfolgreichen Strategie bleibt jedoch die Kombination aus Kulturmaßnahmen und einem konsequenten Monitoring.

Fazit

Apfelschorf lässt sich selten durch eine einzelne Maßnahme kontrollieren. Entscheidend ist das Zusammenspiel verschiedener Bausteine. Angefangen bei der Sortenwahl über Schnitt- und Düngungsmaßnahmen bis hin zum konsequenten Laubmanagement können Obstbaubetriebe den Infektionsdruck deutlich reduzieren.

Wer zusätzlich Prognosemodelle nutzt und Pflanzenschutzmaßnahmen gezielt nach Infektionsrisiko ausrichtet, schafft die Grundlage für gesunde Bestände, hohe Fruchtqualität und wirtschaftlich erfolgreiche Apfelernten.