Bekämpfung der Blutlaus mit Pflanzenschutzmitteln

Grundsätzlich wird in der integrierten Produktion  (optimale Standort- u. Sortenwahl, Kulturführung, …) versucht, vor dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, den oder die Schädlinge unter der wirtschaftlichen Schadschwelle zu halten. Gelingt dies nicht, so ist deren Einsatz zum Schutz der Ernte unumgänglich.

Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zur Bekämpfung der Blutlaus (Eriosoma lanigerum) stellt im Apfelanbau einen Baustein des integrierten Pflanzenschutzes dar. Aufgrund der geschützten Lebensweise der Blutlaus und ihren Wachsausscheidungen sind Pflanzenschutzmaßnahmen anspruchsvoll und erfordern eine sorgfältige Planung.

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Blutlauskolonie. Quelle: U. Schmidt-Dittmeier

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Grundsätze des Einsatzes

Pflanzenschutzmittel sollten nicht routinemäßig, sondern erst nach Überschreiten der wirtschaftlichen Schadschwelle  eingesetzt werden. Diese liegt bei 8-10 Kolonien pro 100 Triebe bzw. 2% befallene Bäume (Quelle: KOB).

Hierbei sind die örtlichen Rundschreiben der Obstbauberatungsdienste hilfreich. Sie informieren über Schadschwellen der aktuellen Schädlinge und geben häufig fachliche Informationen zur Bekämpfung.

Der Schutz von Nützlingen, insbesondere der Blutlauszehrwespe (Aphelinus mali), Larven verschiedener Marienkäferarten und Ohrwürmer ist bei der Mittelwahl stets zu berücksichtigen!

Die Nutzinsekten unterstützen nachhaltig die Eindämmung der Blutlaus. Sie parasitieren oder fressen die Läuse im Jahresverlauf. Dies passiert aber häufig etwas zeitversetzt. Die Kolonien der Blutlaus können sich daher im Frühjahr zunächst ungehindert ausbreiten. Der Schaden an den Apfelbäumen kann daher extreme Ausmaße annehmen, bevor die Nützlinge regulierend eingreifen.

Biologische Pflanzenschutzmittel wie Maltodextrin (Eradicoat® Max) und Orangenöl (Prev Gold®) haben nur einen geringen Einfluss auf Nutzinsekten, da sie keine langanhaltende Nachwirkung haben und werden nicht nur im ökologisch wirtschaften Betrieben empfohlen.  

Die Tankmischung aus einem chemischen und einem biologischen Pflanzenschutzmittel führt zu einer überraschenden Zusatzwirkung: In Versuchen zur Blattlausbekämpfung im Apfel konnte bei der Tankmischung von Neudosan® Neu mit Teppeki® eine zwangsläufige Zusatzwirkung auf die Blutlaus beobachtet werden.

Mischt man zur Blattlausbekämpfung Prev Gold® + Teppeki® (Flonicamid) kann ein Synergieeffekt beobachtet werden.  Die Kombination kann hohe Wirkungsgrade gegen die Blutlaus von mehr als 90% erreichen. Bitte beachten Sie, dass zur Blutlausbekämpfung  nur Prev Gold®  eine Zulassung hat.

Teppeki®  ist als schwach-schädigend gegenüber Nutzinsekten eingestuft. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an unsere Fachberatung.

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Blattlauszehrwesepe. Quelle: U. Schmidt-Dittmeier

Marienkäferlarve in Blutlauskolonie.                                    Quelle: U. Schmidt-Dittmeier

Zeitpunkt der Anwendung

Der Bekämpfungserfolg hängt maßgeblich vom Zeitpunkt ab. Die höchsten Wirkungsgrade werden bei frühen Anwendungen im Frühjahr Frühjahr während der Aufwanderung an die Langtriebe erzielt, solange die Kolonien noch klein sind und die Wachsschicht kaum ausgeprägt ist. In mehreren Versuchen wurde nach der Apfelblüte bei BBCH 70 erfolgreich behandelt. Spätere Behandlungen im Sommer führen meist nur zu einer Abschwächung des Befalls.

Bei B1 Produkten, oder als B1 eingestuften Tankmischungen nicht in blühende Bestände behandeln!

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Jahrestriebe und Wasserschosser werden gern besiedelt. 

Applikation und Technik

Durch die Wachsausscheidungen ist eineDurDurch die Wachsausscheidungen ist eine  gute Benetzung der Befallsstellen entscheidend. In der Praxis hat sich häufig die maximal zulässige Wassermenge als zielführend erwiesen. Punktuelle Behandlungen einzelner Kolonien, zum Beispiel mit der Spritzpistole, sind in der Praxis nur auf kleinen Flächen durchführbar.

Einfluss der Wachsschicht

Die weiße, watteartige Wachsbedeckung wirkt wasserabweisend und erschwert das Eindringen vieler Pflanzenschutzmittel. Dies reduziert insbesondere die Wirkung kontaktaktiver Präparate und unterstreicht die Bedeutung eines frühen Eingreifens.

Produkte wie Neudosan® Neu (Kaliseife) können die Wachsbedeckung effektiv auflösen. Bei der Bekämpfung von Blattläusen und anderen Schädlingen kann dieser Effekt als Nebenwirkung genutzt werden.

Einbindung in das integrierte Management

Pflanzenschutzmaßnahmen sollten stets mit weiteren Regulierungselementen kombiniert werden. Dazu zählen regelmäßige Befallskontrollen, mechanische Maßnahmen wie das Ausschneiden von Kolonien sowie eine kulturtechnische Vorbeugung durch ruhige Baumführung und angepasste Düngung.

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Blutlauskolonie. Quelle: U. Schmidt-Dittmeier

Fazit

Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln kann bei starkem Blutlausbefall einen wichtigen Beitrag zur Regulierung leisten. Achten Sie auf Nützlings-Verträglichkeit der angewendeten Produkte. Die Wirksamkeit ist jedoch stark vom Einsatzzeitpunkt und der Applikation abhängig. Nachhaltig erfolgreich ist die Blutlausbekämpfung nur als Bestandteil eines integrierten Pflanzenschutzkonzeptes.

Für weitergehende Fragen stehen wir gerne zur Verfügung.

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Quellen

https://pflanzenschutzdienst.rp-giessen.de/pflanzenschutzinfothek/obst/apfel/schaeden-am-holz/blutlaus/

https://www.iva.de/iva-magazin/haus-garten/gefaehrliche-blutlaus

https://www.kob-bavendorf.de/blutlaus.html

https://www.oekolandbau.de/bio-in-der-praxis/oekologische-landwirtschaft/oekologischer-pflanzenbau/oekologischer-pflanzenschutz/pflanzendoktor/schaderreger/schaderreger-im-obstbau-und-weinbau/tierische-schaderreger/blutlaus/