Biostimulanzien und Signalstoffe:
Neue Möglichkeiten für eine widerstandsfähige Pflanzenproduktion
Biostimulanzien gewinnen im professionellen Pflanzenbau zunehmend an Bedeutung. Sie ergänzen bestehende Anbau- und Pflanzenschutzstrategien, indem sie natürliche physiologische Prozesse der Pflanzen unterstützen. Im Fokus stehen dabei sowohl eine stabile Nährstoffnutzung als auch eine verbesserte Stresstoleranz gegenüber Witterungs- und Standortfaktoren.
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Was Biostimulanzien leisten – und was nicht
Biostimulanzien werden nach EU‑Recht als Düngerprodukte eingeordnet, obwohl sie selbst kaum Nährstoffe enthalten. Ihr Nutzen liegt vielmehr darin, zentrale biologische Funktionen der Pflanzen zu fördern – beispielsweise die Nährstoffaufnahme, die physiologische Aktivität und die Widerstandsfähigkeit gegenüber Trockenheit, Hitze oder Nährstoffmangel. Sie zählen weder zu klassischen Düngemitteln noch zu Pflanzenschutzmitteln und ersetzen diese auch nicht, sondern wirken ergänzend.
Unterschieden wird zwischen nicht‑mikrobiellen und mikrobiellen Biostimulanzien:
- Nicht‑mikrobiell: Aminosäuren, Pflanzenextrakte, Huminstoffe, anorganische Substanzen und Signalstoffe
- Mikrobiell: Bakterien, Pilze und weitere Mikroorganismen
Diese Vielfalt ermöglicht unterschiedliche Wirkmechanismen und Einsatzstrategien im Pflanzenbau.
In diesem Artikel gehen wir näher auf die Signalstoffe ein

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Die Rolle von Signalstoffen
Signalstoffe übernehmen in Pflanzen eine zentrale Steuerfunktion. Es handelt sich dabei um phenolische Verbindungen, lösliche Kohlenhydrate, Phytohormone, Antioxidantien, Aminosäuren oder Flavonoide. Sie beeinflussen Wachstum, Energieverteilung und Stressreaktionen und sind damit maßgeblich an der Leistungsfähigkeit der Bestände beteiligt. Unter abiotischem Stress – etwa Hitze, Trockenheit oder Nährstoffknappheit – ändern sich die Konzentrationen verschiedener Signalstoffe, wodurch Anpassungsmechanismen ausgelöst werden.
Moderne Biostimulanzien nutzen synthetische Varianten dieser Stoffe, um gezielt in diese Prozesse einzugreifen und eine gleichbleibende Qualität und Zusammensetzung sicherzustellen. Dadurch sind diese innovativen Signalstoffe jedoch nicht im biologischen Landbau nutzbar.
Unterstützung der Chlorophyllbildung
Chlorophyll ist die Grundlage der Photosynthese und damit zentral für Wachstum und Ertragsbildung. Das Produkt Klorofill® enthält die Ketosäuren 5‑Aminolävulinsäure und 4‑Oxopentansäure sowie ausgewählte Nährstoffe (Magnesium, Mangan, Zink), die Schlüsselschritte der Chlorophyllbiosynthese unterstützen. Damit stabilisiert das Präparat die Photosyntheseleistung und die Vitalität der Pflanzen – insbesondere in Phasen schnellen Wachstums oder bei Stress. Besonders gute Wirksamkeit wurde in Getreide, Raps und Kartoffeln beobachtet. Bei begrannten Getreidearten sollte eine Anwendung vor BBCH 49 erfolgen.

Einfluss von Chlorophyll auf den Ertrag: Bis zu 6-8 kcal chemischer Energie / mg Chlorophyll / Stunde. Chlorophyll Gehalt: 1-20 mg/g Frischmasse. Quelle: Gholamin, Roza & Khayatnezhad, Majid. (2011)
Optimierung der Assimilateinlagerung
Für die Einlagerung von Zuckern in Ertragsorgane spielt der Signalstoff Trehalose‑6‑Phosphat (T6P) eine wichtige Rolle. Forschungsergebnisse, unter anderem aus Rothamsted, zeigen, dass T6P die Umwandlung von Zucker in Stärke fördert und gleichzeitig die Photosyntheseaktivität positiv beeinflussen kann – ohne dass dafür zusätzliche Stickstoffgaben notwendig wären
Das Produkt 3ALO T6P® nutzt diesen Mechanismus, indem es die sogenannte Source‑Sink‑Beziehung stärkt. Dadurch verbessert sich die Einlagerung von Kohlenhydraten in Korn, Knolle oder Rübe. Besonders hohe Wirksamkeit wurde bisher in Zuckerrüben, Weizen, Raps und Kartoffeln zu Beginn der Einlagerung dokumentiert.

Integration in bestehende Anbausysteme
Klorofill® und 3ALO T6P® sind breit mischbar und lassen sich gut in bestehende Spritzfolgen integrieren. Wichtig ist der exakte Anwendungszeitpunkt und eine ausreichende Wassermenge. Für konkrete Empfehlungen zur Kombination mit anderen Betriebsmitteln sollte die Beratung vor Ort hinzugezogen werden.
Fazit
Biostimulanzien sind kein Ersatz für Düngung oder Pflanzenschutz, können aber deren Effizienz deutlich verbessern. Durch gezielte physiologische Unterstützung helfen sie Pflanzen, Stresssituationen besser zu überstehen und vorhandene Ertragspotenziale zu sichern. Angesichts zunehmender Witterungsvariabilität können sie daher einen wertvollen Beitrag zur Stabilisierung der Bestände leisten.