Die 7 wichtigsten Kartoffelherbizide
Der Wegfall von Metribuzin und die eingeschränkte Verfügbarkeit weiterer Wirkstoffe verändern die Herbizidstrategien im Kartoffelbau grundlegend. Vor allem die Kombination verschiedener Boden- und Blattwirkstoffe gewinnt an Bedeutung, um ein breites Unkrautspektrum sicher zu erfassen. Im Folgenden werden die wichtigsten verfügbaren Wirkstoffe und deren Einsatzmöglichkeiten dargestellt.

Starke Spätverunkrautung in Kartoffel. Quelle: C.Fuchs
1 – Metobromuron (Proman®): Breites Basisherbizid mit flexiblen Kombinationsmöglichkeiten
Metobromuron kann bis kurz vor dem Durchstoßen der Kartoffeln eingesetzt werden und wird als breitwirksames Grundmittel geschätzt. Seine Stärken liegen vor allem bei:
- Knöterich-Arten
- Gänsefuß- und Meldearten
Gegen Arten wie Klettenlabkraut und Amarant ist eine Ergänzung durch weitere Wirkstoffe sinnvoll.
Bewährte Kombinationen:
- 2,5 l/ha Proman® + 2,5 l/ha Bandur (VA)
→ Standardlösung bei normaler Verunkrautung inklusive Gänsefuß - 2,5 l/ha Proman® + 2,5-3,0 l/ha Boxer
→ Kurz vor dem Durchstoßen, besonders wirksam auch gegen Schwarzen Nachtschatten - 2,0 l/ha Metobromuron + clomazone-/aclonifenhaltige Produkte
→ z. B. 2,4 kg/ha Novitron DamTec
→ Breite Wirkung gegen Kamille, Knöterich, Gänsefuß und Melde
2 – Prosulfocarb (z. B. Boxer, Quidam, Roxy): Flexibler Bodenwirkstoff mit Blattaktivität
Prosulfocarb kann bis kurz vor dem Durchstoßen eingesetzt werden und – abhängig von der Zulassung – auch im frühen Nachauflauf bis BBCH 15.
Stärken:
- Gute Wirkung gegen Klettenlabkraut
- Wirksam gegen bereits aufgelaufenen Schwarzen Nachtschatten
Schwächen:
- Etwas reduzierte Leistung gegen Knöterich-Arten
- Hohe Abhängigkeit von Bodenfeuchte
Empfehlungen:
3 – Aclonifen (z. B. Bandur, Chanon): Dauerwirkung und breites Spektrum
Aclonifen eignet sich besonders für den frühen Vorauflauf, wenn der Druck durch Schwarzen Nachtschatten gering ist.
Stärken:
- Lang anhaltende Bodenwirkung
- Gutes breites Wirkungsspektrum
Einschränkung:
- Gegen Knöterich-Arten nur begrenzt ausreichend – benötigt Mischpartner.
Bewährte Kombinationen:
- Proman® 2,5 l/ha + Bandur 2,5 l/ha
→ Besonders stabil unter trockenen Bedingungen - Bandur 3,0 l/ha + Centium 36 CS 0,2 l/ha
4 – Clomazone (z. B. Centium 36 CS, Cresendo, Sinopia®): Ergänzer mit guter Dauerwirkung
Clomazone wird häufig zur Erweiterung des Wirkungsspektrums genutzt. Es zeigt:
- Gute Wirkung gegen Klettenlabkraut
- Effektiv gegen Windenknöterich
- Geringen Anspruch an Bodenfeuchte
Seine Dauerwirkung macht den Wirkstoff für frühe Maßnahmen besonders interessant.
Kombinationsbeispiel:
- Sinopia® (3 l/ha): Mischung aus Clomazone und Metobromuron
→ Synergistische Wirkung gegen Nachtschatten, Klettenlabkraut, Gänsefuß und Knöterich-Arten
5 – Diflufenican-Kombiprodukte (Bokator, Jura Max): Für breite Mischverunkrautung
Diflufenican wird in Kombinationsprodukten eingesetzt:
- Bokator (Diflufenican + Aclonifen)
- Jura® Max (Diflufenican + Prosulfocarb)
Empfehlungen:
- mittlere bis schwere Böden, normale Verunkrautung:
→ Jura Max 2,0 l/ha + Proman® 2,5 l/ha - Mittlere bis schwere Böden, Mischverunkrautung inkl. Gänsefuß, Kamille, Vogelmiere:
→ Bokator 1,9 l/ha + Proman® 2,5 l/ha - Sehr breite Verunkrautung inkl. Nachtschatten, Windenknöterich, Klette:
→ Bokator 2,0 l/ha + Boxer/Roxy 2,0 l/ha + Proman® 2,0 l/ha
6 – Pyraflufen (Quickdown®): Wichtiger Baustein bei bereits aufgelaufenen Unkräutern
Mit dem Wegfall der blattaktiven Wirkung von Metribuzin wird Pyraflufen (Quickdown®) im Vorauflauf und frühen Nachauflauf wichtiger – insbesondere an Standorten mit Schwarzem Nachtschatten.
Anwendung:
- Einsatz kurz vor dem Durchstoßen der Kartoffel
- Besonders wertvoll bei großen oder bereits aufgelaufenen Unkräutern
- Verstärkt die Wirkung von überwiegend bodenaktiven Produkten wie Boxer, Bandur oder Clomazone
Empfehlung:
Wichtig:
Quickdown ist ein „Brenner“ und sollte nur bis direkt vor dem Durchstoßen eingesetzt werden, um Schäden an den Kartoffeltrieben zu vermeiden.
7 – Rimsulfuron (Cato) – der letzte ALS-Hemmer
Mit dem Wegfall von Flufenacet gewinnen Nachauflaufmaßnahmen in der Ungrasbekämpfung an Bedeutung. Zur Verfügung stehen:
- ACCase-Hemmer
- Ein ALS-Hemmer: Rimsulfuron (Cato)
Hinweise zu Rimsulfuron:
- Das Produkt Cato setzt sich aus einem wasserdispergierbaren Granulat (Cato-Komponente A) und dem flüssigen Formulierhilfsstoff Vivolt (Cato-Komponente B) zusammen. Beide Komponenten werden gemeinsam im Verhältnis 1:6 bis zu BBCH 16 ausgebracht. Je nach Witterung, Sorte, Wachssschicht oder Wüchsigkeit wird Cato mit einer AWM von 20 – 50 g/ha + FHS appliziert.
- Keine starken Temperaturunterschiede (Tag/Nacht)
- Nicht direkt nach Kälteperioden (<10 °C) oder längeren Niederschlägen
- Anwendung erst nach Erholung der Kartoffelpflanzen und bei ausreichender Wachsschicht
Wirksam gegen:
- Nicht bestockte Hirsen
- Flughafer
- Jährige Rispe
- Ausfallgetreide
- Einige zweikeimblättrige (u. a. Amarant, Bingelkraut, Kamille, Ausfallraps)
Eingeschränkte Wirkung:
- Ackerfuchsschwanz, Weidelgras (häufig ALS-resistent)
- Knöterich-Arten, Nachtschatten, Gänsefuß
Fazit
Die Herbizidstrategie im Kartoffelbau wird zunehmend komplexer. Der Ausfall wichtiger Wirkstoffe erfordert:
- eine präzise Auswahl geeigneter Wirkstoffkombinationen
- eine stärkere Orientierung am Standort sowie an Bodenfeuchte und Unkrautdruck
- exakte Terminierung der Maßnahmen
Durch eine sinnvolle Kombination aus Boden- und Blattwirkstoffen lassen sich jedoch weiterhin breit wirksame, stabile Strategien zur Unkrautkontrolle etablieren.