Herbizideinsatz im Weinbau
Der Herbizideinsatz im Weinbau steht seit einigen Jahren im Spannungsfeld zwischen gesellschaftlichen Erwartungen, gesetzlichen Vorgaben und praktischen Anforderungen in der Bewirtschaftung. Während der politische Druck zur Reduktion von Pflanzenschutzmitteln zunimmt, zeigt sich in der Praxis, dass mechanische Alternativen allein nicht in allen Situationen eine wirtschaftliche und agronomisch sinnvolle Lösung bieten. Darüber hinaus lässt sich nicht in jedem Betrieb eine Beweidung der Weinbergsflächen realisieren 😉:
Dieser Beitrag gibt einen Überblick über die wichtigsten Wirkstoffgruppen, deren Eigenschaften sowie praktische Einsatzstrategien im Weinbau.

Abb. 1: Schafe für das Beikrautmanagement
Rückblick:
In den vergangenen Jahren deutete vieles darauf hin, dass Herbizide im Weinbau kaum eine Zukunft haben würden. Die politisch geforderte Reduktion des Pflanzenschutzmitteleinsatzes schien sich durch einen weitgehenden Verzicht auf Herbizide am einfachsten realisieren zu lassen. Gleichzeitig wurde insbesondere Glyphosat in Teilen der Öffentlichkeit sehr kritisch bewertet und häufig als Hauptursache verschiedener Umweltprobleme wahrgenommen. Hinzu kam, dass die Anwendung des Wirkstoffs in der Praxis nicht immer zulassungskonform erfolgte, was vereinzelt zu negativer Außenwirkung führte. In dieser Phase wurde der Begriff „herbizidfreier“ bzw. „glyphosatfreier Weinbau“ zunehmend auch als werbliche Botschaft eingesetzt. Die mechanische Unterstockbearbeitung hat daher in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen.

Abb.2: Fehlanwendung von Glyphosat
Bedeutung des Herbizideinsatzes im modernen Weinbau
Während in den vergangenen Jahren teilweise ein nahezu vollständiger Verzicht auf Herbizide diskutiert wurde, hat sich in der Praxis gezeigt, dass mechanische Alternativen nicht in allen Situationen ausreichend oder wirtschaftlich sind.
Die Grenzen der mechanischen Unterstockbearbeitung wurden zunehmend sichtbar:
- Kurze Zeitfenster für optimale Bodenbearbeitung
- Steigende Lohn- und Betriebskosten, insbesondere für Diesel
- “Inselbildung” rund um die Rebe
- Risiken für Rebstämme, etwa durch mechanische Verletzungen
- Erosionsgefahr, vor allem in Steillagen, durch gelockerten Boden
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Abb.3: Grobe Schollen nach der Unterstockbearbeitung,
Aus diesen Gründen bleibt der gezielte Einsatz von Herbiziden in vielen Betrieben weiterhin ein wichtiger Baustein des Unterstockmanagements.
Wirkungsweise und Unterscheidung von Herbiziden
Im Weinbau steht nur eine begrenzte Auswahl an Wirkstoffen zur Verfügung. Daher werden im Folgenden auch nur diese Wirkstoffe und ihre Eigenschaften erläutert.
Für eine zielgerichtete Anwendung ist die Unterscheidung nach folgenden Merkmalen entscheidend:
- Wirkungsweise (Kontakt oder systemisch)
- Wirkspektrum (selektiv oder total)
- Aufnahmeweg (Blatt- oder Bodenaufnahme)
- Einsatzzeitpunkt (Vorauflauf- oder Nachauflaufapplikation)
Wirkungsweise
- Systemische Herbizide: Aufnahme über Blatt oder Wurzel, Transport innerhalb der Pflanze
- Vollsystemisch (z. B. Glyphosat): Transport in Wurzel und Triebspitze
- Teilsystemisch (z. B. Flazasulfuron/Katana®): Tansport nur in die Triebspitze
- Kontaktherbizide: Wirken nur an direkt benetzten Pflanzenteilen (z. B. Beloukha®, Quickdown®, Shark)
Wirkspektrum
- Selektive Herbizide: Erfassung bestimmter Pflanzenarten (z. B. reine Gräserherbizide)
- Totalherbizide: Wirken auf nahezu alle Pflanzen (z. B. Glyphosat)
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Abb.4: Erfolgreiche Stocktriebentfernung
Aufnahmeweg
Die Art und Weise wie ein Wirkstoff in die Pflanze aufgenommen werden bestimmt maßgeblich ob ein Produkt im Voraufauf (VA) oder Nachauflauf (NA) eingesetzt werden kann bzw. sollte.
- Blattherbizide: Aufnahme über grüne Teile, typischer Einsatz im Nachauflauf
- Bodenherbizide: Wirken über Wurzel oder Hypokotyl, häufig im Vorauflauf
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| Produkt | Wirkstoff | Wirkspektrum *1 | Wirkungsweise | Aufnahmeort | Einsatzzeitpunkt*2 |
|---|---|---|---|---|---|
| Beloukha® | Pelargonsäure | Breitblättrige (& Gräser) | Kontakt | Blatt | NA |
| Quickdown® | Pyraflufen | Breitblättrige (& Gräser) | Kontakt | Blatt | NA |
| Shark | Carfentrazone | Breitblättrige (& Gräser) | Kontakt | Blatt | NA |
| Round up u.a. | Glyphosat | Breitblättrige & Gräser | Systemisch | Blatt | NA |
| Katana® | Flazasulfuron | Breitblättrige & Gräser | Systemisch | Wurzel (Blatt) | VA (NA) |
| Kerb | Propyzamid | Gräser (& Vogelmiere) | Systemisch | Wurzel | VA & NA |
| Focus ultra | Cycloxidim | Gräser | Systemisch | Blatt | NA |
| Fusilade Max | Fluazifop-P | Gräser | Systemisch | Blatt | NA |
| *1 Wirkung in Klammern = eingeschränkte Wirksamkeit *2 NA = Nachauflauf, VA = Vorauflauf | |||||
Einsatzzeitpunkt
- Vorauflauf (VA): Wirkung auf Keimlinge und junge Pflanzen
- Nachauflauf (NA): Anwendung auf bereits sichtbare Unkräuter
Gesetzliche Einschränkungen
Der Standort beeinflusst den möglichen Herbizideinsatz erheblich:
- Naturschutzgebiete: Herbizide generell nicht erlaubt
- Wasserschutzgebiete: Verbot von Glyphosat, alternative Strategien notwendig
Regionale, einzelbetriebliche Genehmigungen können existieren, sind jedoch lokal stark unterschiedlich.
Praxisorientierte Einsatzstrategien
Die geeignete Herbizidstrategie hängt maßgeblich von der Ausgangssituation im Unterstockbereich ab. Für die Produktwahl sind 3 Faktoren von Bedeutung:
- Verunkrautungsgrad
- Stocktriebaufkommen
- Wunsch nach Dauerwirkung
Möglich sind unter anderem:
- Einsatz von Bodenherbiziden zur längerfristigen Wirkung
- Verwendung von Kontaktherbiziden zur Stocktriebentfernung
- Kombinationen aus Gräserherbiziden und Kontaktmitteln
- Ergänzender Einsatz systemischer Mittel bei starkem Befall (unter Berücksichtigung gesetzlicher Vorgaben)
In Wasserschutzgebieten müssen Alternativstrategien ohne Glyphosat genutzt werden. Die Kombination mehrerer Wirkstoffgruppen kann in solchen Fällen erforderlich sein.
Betriebsindividuelle Genehmigungen sind regional möglich, werden hier jedoch nicht weiter ausgeführt.
Aus den Eigenschaften, zugelassenen Einsatzzeitpunkten und Beschränkungen der Herbizide lassen sich folgende Empfehlungen für den Einsatz im Weinbau ableiten
Unterstockbereich unkrautfrei, ohne Stocktriebe
- Ziel: möglichst langfristiger Erhalt des Zustandes
- Empfehlung: Katana® (Bodenwirkung)
Leichte Verunkrautung (breitblättrig)
- Kontaktherbizid zur Sofortwirkung
- Kombination mit Katana® möglich, wenn Dauerwirkung gewünscht
Leichte Verunkrautung (Gräser)
- Selektives Gräserherbizid (z. B. Focus ultra)
- Kombination mit Katana® für anhaltende Wirkung möglich
Starke Verunkrautung
Entfernung von Stocktrieben
- Ziel: Schnelle Benetzung, keine Dauerwirkung
- Empfehlung: Kontaktherbizide (z. B. Quickdown®)
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Fazit
Der Herbizideinsatz bleibt – trotz gesellschaftlicher und politischer Diskussionen – ein wichtiger Bestandteil des Weinbaus, insbesondere in engen, steilen oder erosionsgefährdeten Anlagen. Die Kombination aus mechanischen und chemischen Verfahren ermöglicht eine flexible, standortangepasste Strategie.
Durch eine sachgerechte Anwendung, die Beachtung von Zulassungen und die Auswahl geeigneter Wirkstoffe lässt sich eine effektive und gleichzeitig verantwortungsbewusste Unkrautkontrolle umsetzen.
Für weitergehende Fragen zum Herbizideinsatz stehen wir gerne zur Verfügung.
Quellen
Abb. 1-4: S. Reimann