Kartoffeln erfolgreich einlagern:

12 fachliche Hinweise für Ernte, Lagerung und Qualitätssicherung

Mit Beginn der Kartoffelernte rückt neben der Rodeleistung vor allem die Qualitätssicherung in den Fokus. Die  arbeitsintensiven Maßnahmen rund um Beizung, Pflanzung, Unkrautregulierung, Insektenkontrolle sowie Fungizidstrategien  ist geschafft.  Nun entscheidet das Zusammenspiel aus Reifegrad, schonender Ernte, zügiger Abtrocknung und angepasster Lagerführung darüber, wie stabil die Partien in die Vermarktung gehen.

Die Anforderungen unterscheiden sich je nach Verwertungsrichtung.  Speise-, Verarbeitungs-, Stärke- oder Pflanzkartoffeln stellen jeweils eigene Ansprüche an Erntezeitpunkt, Temperaturführung und Lagerdauer. Wer die Knollen selbst einlagert, sollte deshalb frühzeitig prüfen, ob Lager, Technik und Partietrennung auf die zu erwartenden Mengen und Qualitäten vorbereitet sind.

Quelle: C. Fuchs

Vorbereitung und Einlagerung: worauf es fachlich ankommt

Die folgenden Hinweise unterstützen dabei, Beschädigungen zu vermeiden, das Risiko für Fäulnis zu senken und die Lagerfähigkeit der Knollen möglichst lange zu erhalten.

1 – Lager vor der Ernte kontrollieren

Reinigen Sie Lagerraum, Kisten, Fördertechnik und Belüftungseinrichtungen rechtzeitig. Prüfen Sie Lüfter, Klappen, Sensoren und Steuerung, damit die Technik während der Einlagerung zuverlässig arbeitet.

2 – Partien getrennt planen

Unterschiedliche Sorten, Verwertungsrichtungen oder Qualitäten sollten möglichst separat belüftet und geführt werden können. Eine Unterteilung großer Lagerbereiche kann sinnvoll sein, insbesondere wenn spätere Keimhemmungsmaßnahmen oder unterschiedliche Temperaturziele vorgesehen sind.

3- Erntezeitpunkt an Reife und Schalenfestigkeit ausrichten

Für lagerfähige Ware sind ausgereifte und schalenfeste Knollen entscheidend. Zwischen Krautregulierung und Schalenfestigkeit können je nach Sorte, Bodenfeuchte und Stickstoffnachlieferung mehrere Wochen liegen.

Verarbeitungsware. Quelle: C. Fuchs

Speise- und Pflanzkartoffellager.

Quelle: C. Fuchs

4 – Knollentemperatur beachten

Bei der Rodung sollte die Knollentemperatur möglichst nicht unter 10 °C fallen. Zu kalte Knollen sind empfindlicher gegenüber mechanischen Belastungen; das Risiko für Beschädigungen und Blaufleckigkeit steigt.

5 – Rode- und Fördertechnik knollenschonend einstellen

Ziel sind ausreichende Rodeleistung, geringe Umlaufgeschwindigkeiten der Förder- und Trennorgane sowie möglichst niedrige Fallhöhen. Erde auf der Siebkette kann als Schutzpolster wirken; gleichzeitig sollten unnötige Stöße und Sprünge der Knollen vermieden werden.

Beschädigungen vermeiden. Quelle: C. Fuchs

6 – Beschädigte und mangelhafte Knollen aussortieren

Sichtbar geschädigte Knollen sowie unerwünschte Beimengungen sollten bereits am Verleseband entfernt werden. Dadurch sinkt das Risiko, dass Fäulniserreger in die eingelagerten Partien eingetragen werden.

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Beschädigte und mangelhafte Knollen aussortieren. Quelle: C. Fuchs

7 – Feuchte oder kritische Partien separat behandeln

Regennasse, stark verschmutzte oder beschädigte Partien sollten getrennt eingelagert oder – wenn möglich – zeitnah vermarktet werden. Kritische Ware erhöht die Anforderungen an Abtrocknung, Belüftung und Kontrolle.

8 – Schnelle Abtrocknung sicherstellen

Nach der Einlagerung sollten die Knollen zügig abtrocknen. Besonders bei feuchten Partien ist eine wirksame Belüftung innerhalb der ersten 24 Stunden wichtig, um günstige Bedingungen für Fäulnis- und Pilzentwicklung zu vermeiden.

9 – Belüftung phasengerecht steuern

Die Lagerführung gliedert sich in Abtrocknung, Wundheilung, Abkühlung und Endlagerung. Während der Abtrocknung ist eine hohe Luftleistung erforderlich; in der Wundheilung unterstützen geeignete Temperaturen und täglicher Luftaustausch die Verkorkung kleiner Verletzungen. Einen zusätzlichen Überblick bieten die Informationen der Landwirtschaftskammer NRW sowie der VSD.

10 – Keimhemmung rechtzeitig vornehmen

Die beste Keimhemmung ist, die frisch eingelagerten Knollen gar nicht erst in Keimstimmung kommen zu lassen.

Dies gelingt durch den rechtzeitigen, vorbeugenden Einsatz von 1,4SIGHT®. Aufgrund seiner einzigartigen Produkteigenschaften ist 1,4SIGHT® in der Lage, die natürliche Keimruhe der Knollen zu verlängern. Die Phase der Wundheilung ist der ideale Zeitpunkt, um 1,4SIGHT® mittels Heißvernebelung in den Kartoffelstapel einzuführen. Lange Umluftphasen und kurze Frischluftphasen führen zu einer optimalen Anlagerung von 1,4SIGHT® an die Knolle.

Keimung rechtzeitig verhindern.     

Quelle: C. Fuchs

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Natürliche Keimruhe verlängern mit 1,4SIGHT. Quelle: C. Fuchs

11 – Zur Endlagerung Temperatur kontinuierlich absenken

Nach der Wundheilung sollte die Lagertemperatur schrittweise reduziert werden. Kleine Temperaturschritte helfen, Qualitätseinbußen durch zu starke Austrocknung, Kondensation oder Keimstimmung zu vermeiden. Gleichzeitig sollten größere Temperaturunterschiede zwischen Stapel und Zuluft vermieden werden. Je nach Verwertungsrichtung unterscheiden sich die Zieltemperaturen. Speisekartoffeln werden in der Regel kühler geführt als viele Verarbeitungspartien, bei denen eine zu starke Verzuckerung vermieden werden muss.

12 – Pflanzenschutz bei Pflanzkartoffeln mitdenken

Insbesondere bei Pflanz- und Speisekartoffeln sollte auch das Risiko lagerrelevanter Krankheiten berücksichtigt werden. Wenn eine Behandlung gegen Silberschorf vorgesehen ist, steht mit DIABOLO® eine wasserlösliche Kartoffelbeize zur Verfügung.

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Qualität prüfen: Stärkegehalt, Unterwassergewicht und Lagerstabilität

Neben Schalenfestigkeit und Beschädigungsgrad ist auch die innere Qualität der Knollen relevant. Das Unterwassergewicht liefert Hinweise auf Dichte und Stärkegehalt der Kartoffeln. In der Praxis wird diese Messung im Handel mit speziellen Waagen durchgeführt; zur Orientierung kann die Dichte auch annähernd über Salzlösungen beurteilt werden. Solche Kontrollen helfen, den Reifeverlauf einzuschätzen und die Eignung einzelner Partien für die jeweilige Vermarktungsrichtung besser zu bewerten.

Nach der Einlagerung bleibt die regelmäßige Kontrolle entscheidend. Temperatur, Feuchte, Kondensation, Druckstellen, Keimansatz und erste Anzeichen von Lagerkrankheiten sollten engmaschig beobachtet werden. Neben Fäulniserregern können Qualitätsmängel wie Silberschorf die Vermarktungsfähigkeit beeinträchtigen. Eine angepasste Lagerführung und rechtzeitig geplante Keimhemmung tragen dazu bei, die Qualität der Partien bis zur Auslagerung zu erhalten.

Fazit

Eine erfolgreiche Kartoffellagerung beginnt nicht erst im Lager, sondern bereits mit Reifeprüfung, Rodebedingungen und knollenschonender Ernte. Wer Partien sauber trennt, Beschädigungen reduziert, feuchte Ware konsequent abtrocknet und die Temperaturführung an Verwertungsrichtung und Lagerphase anpasst, schafft eine stabile Grundlage für Qualität und Vermarktung. Bei Pflanzkartoffeln gehört außerdem der gezielte Blick auf lagerrelevante Krankheiten wie Silberschorf dazu, damit Pflanzgutqualität und Auflaufleistung möglichst gut erhalten bleiben.