Obstbaumkrebs bekämpfen:
Strategien für gesunde Apfelanlagen
Obstbaumkrebs zählt zu den bedeutendsten Krankheiten im Kernobstbau. Verursacht wird die Krankheit durch den Pilz Neonectria ditissima, der über Wunden in den Baum eindringt und Krebsstellen an Trieben, Ästen und Stämmen verursacht. Besonders in niederschlagsreichen Anbauregionen kann die Krankheit erhebliche wirtschaftliche Schäden verursachen und die Lebensdauer von Obstanlagen deutlich verkürzen.
Für Obstbauern und Berater ist daher ein konsequentes Management entscheidend. Die erfolgreiche Bekämpfung basiert auf der Kombination aus regelmäßiger Kontrolle, gezielten Schnittmaßnahmen und einem wirkungsvollen Wundschutz.
Obstbaumkrebs frühzeitig erkennen
Von der Infektion bis zu den ersten sichtbaren Symptomen können mehrere Monate vergehen!
Die Krankheit tritt häufig an jungen Trieben, Fruchtholz oder stärkeren Ästen auf. Typische Symptome sind eingesunkene Rindenbereiche, Rindenrisse sowie krebsartige Wucherungen. Mit fortschreitendem Befall können Triebe absterben und ganze Astpartien geschädigt werden. Da die Latenzzeit mehrere Monate betragen kann, bleiben Neuinfektionen oft lange unbemerkt.
Vor allem in feuchten Herbst- und Winterperioden besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko.

Obstbaumkebs. Quelle: H.Welte
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Krebsschnitt als wichtigste Bekämpfungsmaßnahme
Der Krebsschnitt bildet die Grundlage jeder Bekämpfungsstrategie. Befallene Triebe und Äste sollten konsequent entfernt werden, um die Ausbreitung des Erregers innerhalb der Anlage zu begrenzen.
Worauf beim Krebsschnitt geachtet werden sollte
- Schnittarbeiten ausschließlich bei trockener Witterung durchführen.
- Befallene Triebe bis weit ins gesunde Holz zurückschneiden.
- Stärker befallene Äste möglichst vollständig entfernen.
- Schnittwerkzeuge regelmäßig desinfizieren.
- Schnittholz konsequent aus der Anlage entfernen.
Besonders geeignet sind Kontroll- und Schnittmaßnahmen im Frühjahr sowie während der Winterruhe.
Befallenes Schnittgut richtig entsorgen
Abgeschnittenes Holz kann über lange Zeit infektiös bleiben. Deshalb sollte befallenes Material nicht in der Anlage verbleiben oder auf betriebseigenen Komposthaufen gelagert werden. Eine fachgerechte Entsorgung reduziert den Infektionsdruck für die Folgejahre deutlich.
Wundschutz gezielt einsetzen
Da der Erreger bevorzugt über Wunden eindringt, spielt der Schutz frischer Schnittstellen eine wichtige Rolle.
Größere Schnittflächen sollten entsprechend der aktuellen Zulassungssituation mit geeigneten Wundschutzmaßnahmen abgesichert werden. Ziel ist es, die Besiedlung der frischen Wunden durch den Erreger zu verhindern.
Blattfallmanagement reduziert Neuinfektionen
Fungizidstrategie an Infektionsdruck anpassen
Insbesondere in gefährdeten Regionen und bei anfälligen Sorten kann eine gezielte Fungizidstrategie die Bekämpfung unterstützen. Wirkstoffe mit Nebenwirkung auf Obstbaumkrebs sowie spezielle Anwendungen nach der Ernte können dazu beitragen, Neuinfektionen zu reduzieren.
Unsere Empfehlung im Kernobst gegen Obstbaumkrebs:
1,0 kg/ha/mKh Funguran® progress oder
1,0 L/ha/mKh Cuprozin® progress
Anwendungszeitpunkt: nach der Ernte
Bei anfälligen Sorten: 3 Behandlungen (Beginn Blattfall Anfang November; ca. 50 % Blattfall Anfang Dezember und Mitte Januar)
Wichtig ist dabei:
- Behandlungen an die regionale Befallssituation anpassen.
- Wetterbedingungen berücksichtigen.
- Zulassungssituation regelmäßig prüfen.
- Kulturmaßnahmen stets mit Pflanzenschutzmaßnahmen kombinieren.
Anlagen regelmäßig kontrollieren
Die Bekämpfung von Obstbaumkrebs ist keine einmalige Maßnahme, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Regelmäßige Bonituren helfen dabei, neue Krebsstellen frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig zu entfernen.
Besonders aufmerksam sollten Betriebe sein:
- nach Hagelereignissen,
- nach Frostschäden,
- nach Schnittmaßnahmen,
- während feuchter Witterungsperioden.
Fazit
Obstbaumkrebs bleibt eine der anspruchsvollsten Krankheiten im Apfelanbau. Eine erfolgreiche Bekämpfung erfordert ein Zusammenspiel aus konsequentem Krebsschnitt, sorgfältigem Wundschutz, einem angepassten Blattfallmanagement sowie regelmäßigen Bestandskontrollen. Wer befallene Bereiche frühzeitig erkennt und entfernt, kann den Infektionsdruck deutlich senken und langfristig gesunde, leistungsfähige Obstanlagen erhalten.