Obstbaumspinnmilbe:

Biologie, Schadbild und Bekämpfungsstrategien im Obstbau

Fotos: U. Schmidt-Dittmeier

Spinnmilben, besonders die Obstbaumspinnmilben sind bei Obstbauern nicht beliebt. Sie sind in intensiven Apfelanlagen oft schwer zu bekämpfen. Sie verursachen durch ihre Saugtätigkeit der Larven und adulten Tieren Schäden an den Blättern. Die ausgesaugten Pflanzenzellen führen zu punktuellen Flecken auf der Blattspreite. Beit starkem Befall verfärben sich die Blätter erst hellgrün dann gelblich bis hin zu kupferartigen Farbtönen. Am Ende steht der vorzeitige Blattfall. Die Folgen sind Qualitäts- und Ertragsverlust.

Zu den am häufigsten auftretenden Arten gehören die Obstbaumspinnmilbe (Panonychus ulmi) und die Gemeine Spinnmilbe (Tetranychus urticae).

Die Obstbaumspinnmilbe (Panonychus ulmi), auch Rote Spinne genannt,  gehört zu den wirtschaftlich bedeutendsten Schaderregern im Obstbau. Obstbaumspinnmilben sind im Kern- und Steinobst v.a. auf Apfel und Pflaume zu finden.

Aufgrund ihres hohen Vermehrungspotenzials, des großen Wirtspflanzenspektrums sowie zunehmend milder Winter kann sie in intensiven Obstbausystemen regelmäßig Schadschwellen überschreiten. Aufgrund der niedrigen Temperaturen in diesem Winter, ist mit einem späteren Befallsbeginn zu rechnen.

Der folgende Fachbeitrag fasst die wichtigsten Merkmale zur Biologie, Diagnostik, Schadwirkung und Bekämpfung von Panonychus ulmi zusammen.

Biologie und Lebenszyklus

Die Obstbaumspinnmilbe durchläuft vier Entwicklungsstadien: Ei, Larve, Nymphe und adultes Tier. Je nach Witterung können sechs bis acht Generationen pro Jahr entstehen.

Wintereier

Dunkelrote, kugelige Eier (Durchmesser ca. 0,2 mm) mit zentraler Borste. Ablage ab August bis Mai des Folgejahres besonders in Astgabeln, Rindenspalten und in Knospennähe.

Foto: U. Schmidt-Dittmeier

Sommereier

Hellrote Eier auf Blattunterseiten (Ende Mai bis Anfang Juli). Schlupf nach 3–6 Tagen bei warmem, trockenem Wetter.

Larven und Nymphen

Gelblich-grüne bis rötliche Larven besitzen sechs Beine und wandern unmittelbar nach dem Schlupf auf frisch ausgetriebene Blätter. Dort entstehen die typischen Saugschäden in Form heller Sprenkel. Über das Nymphenstadium erfolgt der Übergang zu achtbeinigen adulten Tieren.

Ausgewachsene Milben

Weibchen: dunkelrot, oval, ca. 0,4 mm groß. Ein Weibchen kann bis zu 80 Eier legen.

Foto: U. Schmidt-Dittmeier

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Weibchen: dunkelrot, oval, ca. 0,4 mm groß. Männchen: kleiner, gelbgrün bis hellrot.

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Schadbild und Auswirkungen

Die Saugtätigkeit erfolgt überwiegend auf der Blattunterseite. Typische Symptome sind Blattaufhellungen, Bronzesprenkel, verringerte Photosynthese und vorzeitiger Blattfall. Starker Befall kann zu Wachstumsdepressionen und Ertragsverlusten führen.

Durch den Befall der Blätter verringert sich die  Photosyntheseleistung bei starkem Befall um bis zu 80%. Die erhöhte Transpiration schwächt die Pflanzen insbesondere in Trockenperioden zusätzlich.

Ein Vorzeitiger Blattfall führt zu eingeschränktem Wachstum und erhöht das Risiko von Frostschäden an den entlaubten Trieben.

Hohen Eizahlen (> 4000 Eier pro Meter Fruchtholz) können zu einem Ertragsverluste von 20–40 % führen. Bleibt der Befall über mehrere Jahre unbehandelt, können geschwächte Gehölze ganz absterben.

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Aufhellungen und bronzefarbene Sprenkelungen der Blätter

Diese Faktoren fördern den Befall

Heiße, trockene Sommer (optimale Entwicklungsbedingungen)
Hohe Stickstoffversorgung, die zu weichem, attraktivem Laub führt
Schlechte Durchlüftung der Anlagen (z. B. unter Hagelschutznetzen)
Sortenspezifische Anfälligkeit – z. B. Braeburn, Gala, Elstar, Cox Orange und Fuji
   sowie Pflaumen/Zwetschen und regional Johannisbeeren gelten als besonders gefährdet

Schadschwellen und Monitoring

Ein konsequentes Monitoring ist Grundlage jeder nachhaltigen Bekämpfung. Die Schadschwellen variieren nach Kultur, Bewirtschaftung und Nützlingsbesatz (v. a. Raubmilben).

Kontrolle von Wintereiern

Schadschwellen – Kontrolle von Wintereiern
Kultur / SystemRichtwert / SchadschwelleProbenahme
IP-Anlagen (Äpfel/Pflaumen)800-1000 Eier (ohne bzw. geringer Raubmilbenbesatz)2 m Fruchtholz (2–3-jährig), Wintereier auszählen
IP-Anlagen (Äpfel/Pflaumen)2000 Eier (bei gutem Raubmilbenbesatz)2 m Fruchtholz (2–3-jährig), Wintereier auszählen
Kirschen> 1600 Eier / 2 m Fruchtholz2 m Fruchtholz beurteilen
Bio-Obstbau> 500-800 Eier / 2 m Fruchtholz2 m Fruchtholz beurteilen
Bio-JohannisbeerenSchwelle erreicht, wenn auf 20 Rutenstücken (je 10 cm) Eier vorhanden sind20 Rutenstücke à 10 cm untersuchen

Beachten Sie unbedingt die Pflanzenschutzrundschreiben und Warndienste Ihrer örtlichen Beratungsdienste und beginnen Sie mit den empfohlenen Behandlungen. Ihre Pflanzen werden es Ihnen danken.

Die Schadschwellen wurden etwa Mitte der 1980er Jahre festgelegt und seither nicht mehr aktualisiert. In den letzten Jahren hat sich das Klima jedoch erheblich verändert. Ganzjährig mildere Temperaturen und nur kurze Frostperioden im Winter begünstigen die Vermehrung der Schädlinge.

Astproben im Winter/Frühjahr

Für eine initiale Kontrolle im Jahr ist es erforderlich, eine repräsentative Stichprobe von Aststücken zu entnehmen. Es sollte 2-3 Jahre altes Fruchtholz (Aststücke mit kleinen Seitenspießen, die meist Blütenknospen tragen) mit einer Länge von 20 cm beprobt werden. Bewegen Sie sich systematisch durch die Anlage und wählen Sie im mittleren Bereich eines Baumes zufällig ein Aststück aus. Fahren Sie fort, bis Sie insgesamt 10 Aststücke gesammelt haben, um einen umfassenden Überblick über die gesamte Anlage zu erhalten, anstatt nur einen Bereich zu betrachten. Das einjährige Holz können Sie zuvor abschneiden und das Aststück auf 20 cm kürzen (siehe Bild).  Auf diese Weise erhalten Sie 2 m korrekt geschnittenes Fruchtholz. Die meisten Eier befinden sich in den Astgabeln. Verwenden Sie eine Lupe, um diese zu zählen.

Foto: U. Schmidt-Dittmeier

Blattproben während der Vegetation

Für die Kontrolle sollten stets 50 Blätter ausgewählt und die Gesamtanzahl der Spinnmilben ermittelt werden, um diese anschließend durch 50 zu teilen. Ist die Auswahl der Blätter sollte nicht beliebig erfolgen: Im Frühling bis zum frühen Sommer sollten ältere Blätter für die Probenentnahme verwendet werden. Im Hochsommer empfiehlt es sich, Blätter aus dem mittleren Bereich der Langtriebe zu untersuchen.

Schadschwellen – Blattproben während der Vegetation
ZeitraumAktionsschwelle (Milben/Blatt)Probenahme
Mai / Juni≥ 450 Blätter; ältere Blätter
Juli / August≥ 850 Blätter; mittlere Bereiche der Langtriebe
September≥ 1250 Blätter; abhängig vom Entwicklungsstadium

Bekämpfungsstrategien

Maßnahmen gegen Wintereier

Der richtige Anwendungszeitpunkt ist entscheidend. Bei Überschreitung der Schadschwelle sollte die 1. Behandlung vor dem Schlupf der Spinnmilbenlarven zu Beginn einer Schönwetterperiode erfolgen.

Kurz vor dem Schlupfbeginn ist eine Behandlung gegen Wintereier möglich. Zwischen Knospenschwellen (Stadium 52) und Ballonstadium (Stadium 59)  können Präparate auf Basis von Raps-, Mineral- oder Paraffinöl, wie zum Beispiel Promanal HP®, appliziert werden. Die Applikation erfolgt optimaler Weise zu Beginn einer Schönwetterperiode.

Die Ölschicht blockiert den Gasaustausch, sodass die Larven im Ei ersticken. Für den Behandlungserfolg ist jedoch eine gute Benetzung der Astpartien entscheidend. Es sollte daher auf eine ausreichend hohe Wasseraufwandmenge geachtet werden.

Diese Methode wirkt nur gegen Obstbaumspinnmilben, nicht jedoch gegen Gemeine Spinnmilben (Tetranychus urticae), die als adulte Weibchen in Rindenritzen und auf anderen Pflanzenteilen überwintern. Die Gemeine Spinnmilbe ist vor allem in Beerenobst und Erdbeeren von Bedeutung.

Bekämpfung von Larven, Nymphen und Adulten

Eine biologische oder chemische Bekämpfung von Larven, Nymphen und Adulte sollte bei  Überschreiten der Schadschwellen oder starkem Populationsanstieg erfolgen.

Als biologisches Mittel steht der Wirkstoff Maltodextrin, enthalten im Kontaktinsektizid Eradicoat® MAX zur Verfügung.

Chemische Akarizide enthalten Wirkstoffe wie Hexythiazox, Acequinocyl oder Milbemectin (Milbeknock® Top). Bei der Auswahl sollte auf das Entwicklungsstadium, die Resistenzsituation und die Zulassung geachtet werden. Da die Mittel selektiv wirken, kann eine falsche Terminierung sowohl die Wirksamkeit reduzieren als auch eine Resistenzbildung fördern. Konsultieren Sie bei Bedarf Ihren Fachberater vor Ort.

Förderung von Nützlingen

Fazit

Raubmilben (z. B. Typhlodromus pyri) sind wichtige Gegenspieler der Spinnmilben.
Ein stabiler Nützlingsbesatz senkt die Schadschwelle, reduziert die Notwendigkeit chemischer Eingriffe und unterstützt die Nachhaltigkeit der Bekämpfung. Eine schonende Mittelwahl und die Vermeidung unnötiger Behandlungen sind daher essenziell.

Die Obstbaumspinnmilbe stellt aufgrund ihres hohen Reproduktionsvermögens und der klimatischen Veränderungen eine zunehmende Herausforderung im modernen Obstbau dar. Ein integriertes Vorgehen kombiniert vorbeugende Kulturmaßnahmen, Nützlingsschutz und gezielten Mitteleinsatz – und ermöglicht damit eine wirkungsvolle und nachhaltige Regulation der Obstbaumspinnmilbe.

  • Entscheidende Bausteine im Umgang mit der Obstbaumspinnmilbe

  • systematisches Monitoring der Wintereier und der Blattpopulationen

  • Beachtung kulturartspezifischer Schadschwellen

  • gezielter und fachlich korrekt getimter Einsatz von Ölpräparaten und Akariziden

  • Förderung von Nützlingen und angepasste Kulturführung

  • besondere Aufmerksamkeit in trockenen, warmen Vegetationsphasen