Pflanzenschutz in Möhren 2026

Quelle: D. Laumann
Der Möhrenanbau stellt hohe Anforderungen an den integrierten Pflanzenschutz. Ursache hierfür sind die langsame Jugendentwicklung der Kultur, eine lange Offenphase des Bodens sowie eine über Wochen anhaltende Unkrautkonkurrenz. Gleichzeitig reagieren Möhren empfindlich auf Pflanzenschutzmaßnahmen, sodass Wirkstoffauswahl, Aufwandmenge, Applikationszeitpunkt und Umweltbedingungen exakt aufeinander abgestimmt sein müssen.
p
Rahmenbedingungen
Möhren besitzen nur eine geringe Konkurrenzkraft gegenüber Unkräutern, vor allem in den frühen Entwicklungsstadien. Daraus ergeben sich mehrere pflanzenbauliche Besonderheiten:
- langsame und ungleichmäßige Keimung
- lange Phase hoher Unkrautkonkurrenz
- hohe Bedeutung der Kulturverträglichkeit
- in frühen Kulturstadien hohes Schadpotential durch ungünstige Witterungsverhältnisse
Der Pflanzenschutz in Möhren ist daher prozessbegleitend zu verstehen und erfordert mehrere gezielte, aufeinander abgestimme Eingriffe, statt einzelner Behandlungen.
p

So soll es nicht aussehen!
Quelle: U. Schmidt-Dittmeier
Schlüsselelement: Herbizidmanagement
Vorauflauf-Herbizide
Im Vorauflauf (VA) von Möhren steht in Deutschland eine überschaubare, aber zentrale Palette an Bodenherbiziden zur Verfügung. Dazu gehören unter anderem Aclonifen, Pendimethalin und Clomazone. Diese Wirkstoffe bilden das Rückgrat der frühen Unkrautkontrolle und müssen unter ausreichender Bodenfeuchte appliziert werden. In der Praxis werden diese Vorauflauf‑Herbizide häufig kombiniert, um die Wirkungsbreite zu erhöhen und Resistenzrisiken zu minimieren.
Der Erfolg der Vorauflauf‑Herbizide hängt entscheidend von Bodenfeuchte, Saatbettqualität und gleichmäßiger Wirkstoffverteilung im Oberboden (0–3 cm) ab. Vorauflaufmaßnahmen sollten immer sinnvoll mit Nachauflaufstrategien verzahnt werden, da keine vollständige Dauerwirkung erreicht wird.
Nachauflauf‑Herbizide
Der Schwerpunkt des Pflanzenschutzes in Möhren liegt klar auf der Unkrautbekämpfung im Nachauflauf. Ziel ist es, Unkräuter möglichst früh in jungen Stadien zu regulieren, ohne die empfindliche Kultur zu schädigen.
Pyridat ist der wichtigste Wirkstoff gegen zweikeimblättrige Unkräuter. Weitere blatt- und bodenaktive Wirkstoffe sowie Graminizide zur Ungrasbekämpfung komplettieren die Herbizidauswahl Die enge, verfügbare Wirkstoffpalette erfordert höchste Sorgfalt, niedrige Einzelaufwandmengen, Splitting‑Strategien und eine konsequente Anpassung an Bestandsentwicklung und Witterung.

Quelle: D. Laumann
Pyridat (Lentagran® WP)
Wie wirkt Pyridat?
Pyridat ist ein rein blattaktiver Wirkstoff ohne Bodenwirkung und entfaltet seine herbizide Leistung ausschließlich über das aufgenommene Blattgewebe. Er hemmt irreversibel die Photosynthese, indem er im Photosystem II die Produktion des Proteins D1‑Histidin blockiert (HRAC‑Gruppe 6). Unmittelbar nach der Anwendung reagieren empfindliche Pflanzen mit einem Wachstumsstopp. Nach etwa drei bis vier Tagen treten erste sichtbare Symptome in Form von Chlorosen auf, die typischerweise vom Blattrand ausgehen. In der Folge kommt es zur Nekrotisierung des Pflanzengewebes, bis die Pflanze schließlich abstirbt. Warmes, sonniges und wüchsiges Wetter mit hoher Luftfeuchtigkeit verstärkt und beschleunigt diesen Wirkungsprozess deutlich.
Erfahrungen mit Pyridat
Pyridat ist als Blattherbizid ein zentraler Baustein im Möhrenanbau:
- gute Wirksamkeit gegen einjährige zweikeimblättrige Unkräuter
- keine Bodenwirkung, ausschließlich Blattaufnahme
- Wirkung stark abhängig von Pflanzenzustand und Umweltfaktoren
Entscheidend für die Verträglichkeit sind:
- intakte Wachsschicht der Möhren
- trockener Bestand und trockener Boden
- Anwendung bei aktiver Photosynthese
- Temperaturen nach der Anwendung unter 30 °C
Eine Anwendung sollte niemals erfolgen:
- direkt nach Niederschlägen!
- bei taufeuchtem Bestand
- in Mischung mit EC‑Formulierungen, Ölen oder Penetrationshilfen!
Im Jahr 2025 wurden in Dithmarschen umfangreiche Nachauflauf‑Herbizidversuche durchgeführt, bei denen unterschiedliche Aufwandmengen und Wirkstoffkombinationen geprüft wurden. Ein besonderer Fokus lag dabei auf der Kulturverträglichkeit von Pyridat in Kombination mit weiteren Wirkstoffen. Ziel war es, praxisnahe Erkenntnisse zur optimalen Dosierung und Anwendungsstrategie zu gewinnen.
p

Möhrenversuch: unbehandelte Kontrolle.

Möhrenversuch: Lentagran + Bandur. Quelle: V. Diephaus
Zentrale Erkenntnisse:
- Die Kulturverträglichkeit ist stark abhängig von der Aufwandmenge
- Geringere Aufwandmengen im Splitting zeigten Vorteile gegenüber höheren Einzelaufwandmengen, eine gleichmäßigere Wirkstoffbelastung der Kultur und trug zu einer besseren Verträglichkeit bei.
- Unterschiede zwischen den Varianten waren zum Teil gering, aber konsistent
- Kombinationen mit moderaten Aufwandmengen erwiesen sich als am verträglichsten
Fein abgestufte Dosierungen sind entscheidend für den Erfolg. Pauschale Empfehlungen sind nicht zielführend.
Hinweis:
Zwischenreihenbehandlung
Die Zwischenreihenbehandlung ermöglicht eine Reduktion des Unkrautdrucks bei gleichzeitig maximaler Kulturverträglichkeit. Sie lässt sich gut mit mechanischen Methoden oder Spot-Spray-Technik kombinieren. Pelargonsäure (Beloukha® ) ist ein guter Glyphosatersatz. Bereits aufgelaufene, grüne Unkräuter können gezielt und ohne Wartezeit bekämpft werden. Da es sich um ein Kontaktfungizid handelt, ist auf eine Abschirmung der Kultur zu achten. Beloukha® hat keine Bodenwirkung und wird schnell abgebaut.
In den Reihen selbst, sind weiterhin andere Herbizide oder mechanische Verfahren notwendig (s.o.).
p

Quelle: D. Laumann
Bedeutung der Applikationstechnik
Neben dem Wirkstoff selbst ist die technische Umsetzung maßgeblich für den Behandlungserfolg:
- gleichmäßige Benetzung
- angepasste Wassermengen
- Vermeidung von Abdrift
- Beachtung des Tageszeitpunkts
Behandlungen bei trockenem Bestand zur Mittagszeit sind signifikant besser verträglich als Anwendungen am frühen Morgen bei Taufeuchte.
p
Weitere Pflanzenschutzmaßnahmen
Fungizide
Pilzkrankheiten wie Alternaria dauci, Cersospora carotae oder Echter Mehltau (Erysiphe heraclei) spielen im Möhrenanbau eine große Rolle. Pflanzenschutzmaßnahmen erfolgen sowohl protektiv als auch kurativ.

Alternaria dauci. Quelle: V. Diephaus
Integrierter Ansatz
Dem integrierten Pflanzenschutz kommt eine hohe Bedeutung zu:
- Kombination chemischer und pflanzenbaulicher Maßnahmen
- abgestimmte Sortenwahl
- gleichmäßiger Feldaufgang
- reduzierte Stressbelastung der Kultur
p
Fazit
Der Pflanzenschutz in Möhren ist hochsensibel: Bereits kleine Unterschiede im Applikationszeitpunkt oder in der Aufwandmenge können über Behandlungserfolg oder Kulturschäden entscheiden. Pyridat ist der neue, wichtige Baustein, nach dem Wegfall von Metribuzin. Das Vorliegen der §22.2-Genehmigung für Ihr Bundesland, ist zwingend erforderlich für die Anwendung. Pyridat erfordert höchste Sorgfalt in der Anwendung. Splitting‑Strategien und niedrige Einzelaufwandmengen erhöhen die Anwendungssicherheit deutlich. Entscheidend ist, jede Maßnahme konsequent an den aktuellen Pflanzenzustand sowie an die Witterungsbedingungen anzupassen: standardisierte Programme allein reichen nicht aus. Eine situationsbezogene, flexible Anpassung an Bestand, Wetter und Entwicklungsstadium ist unerlässlich.