Rebensterben durch Esca

Maßnahmen für einen gesunden Weinbergsbestand

Rebstammkrankheiten – im deutschen Weinbau meist allgemein als Esca bezeichnet – zählen zu den bedeutendsten Krankheiten der Rebe. Sie verursachen jährlich wirtschaftliche Schäden von etwa 50 Millionen Euro. Das Schadbild ist komplex, da mehrere holzzerstörende Pilze beteiligt sind und Symptome häufig erst viele Jahre nach der Infektion sichtbar werden.

Esca – Symptome erkennen

Esca ist eine gefährliche Pilzerkrankung im Weinbau, die durch holzzerstörende Pilze verursacht wird. Typisch Symptome eines chronischen Verlaufs sind „Tigerstreifen“ an Blättern und kleine schwarze Punkte auf den Beeren („Schwarze Masern“). Bei einem akuten Verlauf kommt es zur plötzlichen Welken und zum Absterben des gesamten Stocks (Apoplexie) innerhalb weniger Tage.

 

  • Wichtige Hinweise zur Erkennung

  • Symptome treten oft erst ab dem 7.-10. Standjahr auf

  • Befallene Stöcke zeigen nicht jedes Jahr Symptome.

  • Eine Verwechslung mit Nährstoffmangel (z.B. Magnesium) ist möglich.

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Blattsymptome

Ab Mitte Juli verfärben sich die Blätter und zeigen die typischen Tigerstreifen.

Beerensymptome

“Schwarze Masern” auf den Beeren sind nicht ganz so eindeutig wie die Blattsymptome.

Holzveränderungen

Im Querschnitt des Stammes können sich sowohl dunkle als auch weißliche Verfärbungen zeigen – sie sind das Resultat unterschiedlicher holzzerstörender Pilze.

Apoplexie

Plötzliche Welke bis hin zum Absterben des gesamten Rebstocks bei akutem Verlauf.

Maßnahmen zur Eindämmung

Werden die ersten Symptome sichtbar, sind die Erreger meist bereits bis tief in den Stamm der Rebe eingedrungen. Oft sind  zu diesem Zeitpunkt schon 80-90% des Weinbergs infiziert.

Dennoch können und sollten Maßnahmen ergriffen werden, um die Schaderreger im Bestand einzudämmen.

Am Ende ist Tatenlosigkeit die teuerste Option, wie René Fuchs vom WBI in Freiburg in seiner Ökonomischen Betrachtung der verschiedenen Maßnahmen eindrucksvoll belegt hat.

MaßnahmeNachpflanzungStammrücknahmeResetRebchirurgieVintec
WirkungsweiseKurativKurativKurativKurativPräventiv
Erfolgsquote80-95%90-95%90-95%75-90%50-80%
Gesamtkosten über 20 Jahre15.000 -19.000 €9.000 -12.000 €7.000 -12.000 €9.000 -23.000 €4.000 -8.000 €
Tabelle nach René Fuchs et al. dwm 14/2025, S. 20 ff.

Folgende Maßnahmen eignen sich für die Eindämmung von Esca in Reben:

1. Rebschnitt

Schnittwunden, die durch den jährlichen Rebschnitt entstehen, sind die Haupteintrittsstellen für holzzerstörtende Schaderreger. Große Schnittflächen sollten daher vermieden werden. Je größer die Schnittwunde, desto größer ist der entstehende Rücktrocknungskegel und somit der Totholzanteil im Rebstamm.

Der wundarme Schnitt nach Simonit & Sirch bietet langfristig Vorteile. Durch seine vorausschauende Schnittpositionierung denkt er das Entstehen großer Schnittwunden für das Folgejahr schon mit. Diese Methode bedarf einer Schulung des Personals und eines Umdenkens in der Arbeitsweise, ist aber langfristig durchaus erfolgsversprechend.

2. Entfernen befallener Rebstöcke und Nachpflanzung

Befallene Stöcke sollten markiert, im Winter gerodet und aus der Anlage entfernt oder verbrannt werden. Auf keinen Fall sollten die Rebstöcke vor Ort aufgeschichtet und gelagert werden, da die Schaderreger auf dem Totholz sich weiter vermehren und somit gesunde Stöcke infizieren könnten. Die Fehlstellen können wieder mit  Reben bepflanzt werden.

Die Nachpflanzungen benötigen intensive Pflege und profitieren von einer vorbeugenden Behandlung mit Trichoderma. Diese Behandlung kann sowohl in der Rebschule als auch kurz vor dem Pflanzen erfolgen. Vintec® ist hier ein bewährtes Produkt.

Nach der Pflanzung benötigen die jungen Reben in einer Ertragsanlage einen intensiveren Schutz. Sie treiben früher aus und der noch nicht verholzte Trieb in Bodennähe ist anfälliger als ein verholzter Rebstamm. Auch stecken sie Trockenstress nicht so gut weg wie etablierte Reben und können bei Pflegemaßnahmen, wie z.B. Herbizideinsatz, ggf. in Mitleidenschaft gezogen werden.

Gerodete Stöcke sollten nicht direkt neben den Rebanlagen aufgeschichtet werden. Infektionsgefahr!

3. Behandlung der Schnittwunden

Eine effektive Methode zur Verhinderung von Infektionen mit den Esca-Erregern ist das Behandeln der Schnittwunden mit einem Antagonisten oder fungiziden Wundverschluss direkt nach dem Rebschnitt.

Das Trichoderma-haltige Produkt Vintec® ist zur Zeit das einzige zugelassene Pflanzenschutzmittel. Die Behandlung mit Vintec® erfolgt nach dem Rebschnitt und vor dem Bluten der Reben. Sie stellt somit einen effektiven, präventiven Schutz vor Infektionen dar.

Bereits erfolgte Infektionen können nicht geheilt werden, aber die weitere Ausbreitung im Bestand wird unterbunden. Daher lohnt sich in allen Anlagen, in denen Reben nachgepflanzt werden, die Behandlung aller Reben (sowohl junger als auch alter). Nur so können die noch gesunden Reben langfristig gesund erhalten und die kranken Stöcke über die Zeit aussortiert werden.

4. Stammrücknahme und Reset-Methode

Bei der Stammrücknahme werden symptomatische Rebstöcke  im Spätsommer markiert und im Winter so weit zurück geschnitten, bis im Holz keine Schadsymptome mehr sichtbar sind. Dabei ist darauf zu achten, dass genügend Abstand zur Veredlungsstelle verbleibt, denn durch den entstehenden Rücktrocknungskegel kann sonst ggf. der Rest des Edelreises auch noch absterben. Im Regelfall treibt die Rebe im Frühjahr unterhalb der Schnittstelle wieder aus und der neue Trieb wird dann zum neuen Stamm herangezogen.Da die entstandene Schnittwunden sehr groß ist und  dementsprechend langsam verheilt, sollte ein Befall mit rebzerstörenden Pilzen durch eine Behandlung mit Vintec® verhindert werden.

Bei der Reset-Methode, handelt es sich um einen Sonderfall der Stammrücknahme. Die Reset-Methode erneuert turnusmäßig alle Stämme eines Weinbergs zur Vorbeugung. Man wartet das Auftreten der Schadsymptome nicht ab, sondern nimmt die Stämme eines gesamten Weinbergs in regelmäßigen Abständen (z.B. alle 20 Jahre) komplett zurück und baut den Stamm von unten wieder neu auf. Durch dieses „Verjüngen des Rebstamms“ soll verhindert werden, dass die Schaderreger das Rebholz schon so weit befallen, dass die Symptome der Erkrankung zum Ausbruch kommen bzw. den Rebstamm schon so weit zerstören, dass er nicht mehr zu retten ist.

5. Rebchirurgie

Bei der Rebchirurgie wird der Stamm einer symptomtragenden Rebe mit einer Kettensäge geöffnet und das erkrankte Gewebe aus dem Stamm entfernt. Durch das Öffnen des Stammes und das Entfernen des erkrankten Gewebes kann eine Rebe unter Umständen erhalten bleiben.

Auch hier ist es wichtig, dass die Schaderreger nicht bereits bis zur Veredlungsstelle vorgedrungen sind, da ansonsten keine Aussicht auf anschließende Heilung und den Wiederaustrieb besteht. Bei der Rebchirurgie wird der geöffnete Rebstamm nicht mit einem Wundverschluss behandelt, sondern heilt durch den Einfluss von Sonne und Luft ab.

Die Methode erfordert Erfahrung im Umgang mit der Kettensäge. Darüber ist die Durchführung recht zeitaufwendig. Untersuchungen belegen aber gute Erfolge.

Fazit

Esca erfordert aktives Eingreifen. Nichtstun ist langfristig die teuerste Variante. Präventive Maßnahmen wie die jährliche Behandlung von Schnittwunden tragen maßgeblich zum Erhalt gesunder Rebbestände bei.

Literatur

Was lässt sich gegen Esca tun? Präventive und kurative Maßnahmen gegen Esca, dwm 14/2025, S. 20 ff.

Anleitung zum sanften Rebschnitt – Simonit & Sirch Methode, Marco Simonit, Verlag Guyot, 342 Seiten

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