Schwarzbeinigkeit im Getreide: Ein zunehmendes Ertragsrisiko?
Weiße, taube Ähren im Getreide sind ein bekanntes Schadbild mit unterschiedlichen Ursachen. Neben pilzlichen Erkrankungen und Schädlingsbefall zählt insbesondere die Schwarzbeinigkeit (Take-all) zu den wirtschaftlich bedeutenden Auslösern. Die durch den bodenbürtigen Pilz Gaeumannomyces graminis verursachte Krankheit gewinnt unter aktuellen Anbaubedingungen zunehmend an Bedeutung – insbesondere in getreidereichen Fruchtfolgen und unter trockenen Sommerbedingungen. Unter hohem Befallsdruck sind Ertragseinbußen bis zu 70 % möglich.

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Schadbild und Diagnose

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Das typische Symptom ist das nesterweise Auftreten von weißen, nicht ausgebildeten Ähren (Weißährigkeit). Ursache ist eine unzureichende Versorgung der Ähre mit Wasser und Nährstoffen (reduzierte Bestockung und Notreife).
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Für die Diagnose ist eine genaue Pflanzenuntersuchung erforderlich:
- Ausgraben erkrankter Pflanzen
- Reinigung der Wurzeln
- Sichtprüfung des Wurzelsystems
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Ein Befall mit Schwarzbeinigkeit zeigt sich durch:
schwarz verfärbte, abgestorbene Wurzeln
reduziertes oder fehlendes Feinwurzelwachstum
eingeschränkte Wasser- und Nährstoffaufnahme
Für eine differenzierte Diagnose sind weitere mögliche Ursachen zu berücksichtigen: darunter Halmbruch, Rhizoctonia, Fusarium-Arten sowie tierische Schaderreger.
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Erreger und Infektionsverlauf
Der Erreger Gaeumannomyces graminis ist ein bodenbürtiger Pilz, der auf Ernterückständen und Ungräsern überdauert. Wichtige Wirtspflanzen sind:
- Weizen
- Gerste
- Triticale
- Roggen
- Dinkel
Die Infektion erfolgt über die Wurzeln. Der Pilz wächst entlang der Wurzeloberfläche und dringt in die Leitbahnen ein. Dort stört er die Wasser- und Nährstoffleitung, was zum Absterben der Wurzeln führt.
Die Pflanze reagiert mit Abwehrmechanismen (z. B. Lignineinlagerung), kann den Befall jedoch meist nicht kompensieren. In Trockenphasen verstärkt sich der Schaden, da die reduzierte Wurzelmasse die Wasseraufnahme zusätzlich limitiert.
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Befallsfördernde Faktoren
Das Auftreten und die Intensität der Schwarzbeinigkeit werden durch mehrere Faktoren beeinflusst:
- Witterung
Diese Kombination begünstigt Infektion und Schadwirkung deutlich:
- feucht-warmer Herbst
- milder Winter
- feucht-warmes Frühjahr
- trockener, heißer Sommer
- Standort- und Managementfaktoren
- hohe Belastung durch infizierte Ernterückstände
- Vorkommen von Ungräsern (z. B. Ackerfuchsschwanz, Windhalm, Quecke)
- eingeschränkte Nährstoffversorgung
- Anbaubedingungen/Fruchtfolge
- enge Getreidefruchtfolgen
- hoher Anteil an Wintergetreide
- Frühsaat
- reduzierte Bodenbearbeitung (z. B. Verzicht auf Pflugeinsatz)
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Warum nimmt Schwarzbeinigkeit zu?
In den letzten Jahren wird Schwarzbeinigkeit häufiger beobachtet. Hierfür gibt es mehrere Gründe:
- steigender Getreideanteil in Fruchtfolgen
- konservierende Bodenbearbeitung
- zunehmende Trockenperioden
- restriktivere Düngestrategien
Bei begrenzter Wasserversorgung ist ein gut funktionierendes Wurzelsystem besonders wichtig. Bereits vorhandene Wurzelschäden wirken sich daher stärker auf den Ertrag aus als in Jahren mit ausreichender Wasserversorgung.
Bekämpfung und Prävention
Grundsatz: Eine direkte Bekämpfung im Bestand ist nicht möglich. Maßnahmen müssen vorbeugend erfolgen.
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Saatgutbehandlung
In Situationen mit erhöhtem Risiko stehen mit Silthiofam (Latitude® XL) und B. amyloliquefaciens (Toltek®) zwei spezialisierte Beize für den konventionellen bzw. ökologischen Ackerbau zur Verfügung. Beachten Sie die produktspezifischen Einschränkungen je nach Kulturart (z. B. keine Anwendung in Roggen).
Wirkprinzip:
- protektive Wirkung im frühen Entwicklungsstadium
- Schutz des Wurzelsystems direkt nach Keimung
- Reduktion des Wurzelbefalls und der Weißährigkeit
Effekte auf die Pflanze:
- besser entwickeltes, verzweigtes Wurzelsystem
- effizientere Wasser- und Nährstoffaufnahme
- höhere Bestandesvitalität und Ertragssicherheit
Wirtschaftlicher Nutzen: Mehrerträge nach Beizung mit Silthiofam in Höhe von etwa 0,4 bis über 1 t/ha werden regelmäßig in Abhängigkeit vom Befallsdruck beobachtet. Dieser Effekt wird nicht in Stoppelweizen-Fruchtfolgen beobachtet, sondern auch bei leichtem Befall, der sich nicht in Weißährigkeit äußert, und insbesondere bei reduzierter N-Düngung.
Der Einsatz einer speziellen Wurzelschutzbeize ist vor allem sinnvoll bei:
- Stoppelweizen oder enger Getreidefolge
- bekannten Befallsflächen
- hohem Ungrasdruck
- trockenen Standorten mit hohem Stressrisiko
In weiten Fruchtfolgen oder nach Blattfrüchten ist der Nutzen häufig geringer.
Wichtig:
Die Wirkung beschränkt sich auf die Befallsminderung, eine vollständige Kontrolle ist nicht möglich.
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Weizen: links mit Silthiofam gebeizt, rechts ungebeizt. Quelle: L. Luchterhand
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Agronomische Maßnahmen
- Auflockerung der Fruchtfolge
- Reduktion des Anteils an Wintergetreide!
- konsequente Unkraut- und Ungrasbekämpfung
- angepasste Bodenbearbeitung (inkl. gelegentlichem Pflugeinsatz)
- Vermeidung sehr früher Saattermine
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Fazit
Schwarzbeinigkeit ist eine bedeutende Wurzelkrankheit im Getreideanbau, deren Auftreten durch klimatische Veränderungen und angepasste Anbausysteme begünstigt wird. Schäden entstehen häufig unbemerkt und werden erst spät sichtbar.
Da kurative Maßnahmen fehlen, ist ein vorbeugendes Management entscheidend. Neben der Nutzung geeigneter Saatgutbehandlungen kommt der Gestaltung der Fruchtfolge und der Bestandesführung eine zentrale Rolle zu.
Ein besonderes Augenmerk sollte dabei auf die Gesunderhaltung des Wurzelsystems gelegt werden, da dieses die Grundlage für eine stabile Wasser- und Nährstoffversorgung sowie für die Ertragssicherung darstellt.