Umgang mit Spargelrost im modernen Spargelanbau

So sollte es nicht aussehen! Spargelanlage mit starkem Rostbefall im frühen Herbst.
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Spargel gilt als Königsgemüse – doch hinter den zarten Stangen steckt ein empfindliches System. Eine der bedeutendsten Krankheiten im Spargelanbau ist der Spargelrost, verursacht durch den Pilz Puccinia asparagi, aus der Ordnung der Pucciniales. Während die Erkrankung früher überwiegend in süddeutschen und österreichischen Anbaugebieten auftrat, ist sie inzwischen in allen deutschen Spargelregionen verbreitet.
Die veränderten klimatischen Bedingungen mit wärmeren, trockeneren Sommern sowie milderen Wintern begünstigen die Entwicklung und Ausbreitung des Erregers erheblich. Daher ist Spargelrost Paradebeispiel für die enge Verbindung zwischen Pflanzengesundheit und Klima, und wird häufig als sogenannte „Schönwetterkrankheit“ bezeichnet.
Aktuelle Klimaentwicklungen zeigen häufigere Tauphasen durch warme Nächte, längere Trockenperioden im Sommer, und sehr unregelmäßige, teils heftige Niederschläge. Diese Kombination begünstigt ganz klar den Spargelrost.
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Schon wenige Stunden Blattnässe reichen dem Spargelrost aus, um zu infizieren!
Biologie und Infektionszyklus
Aber was ist Spargelrost eigentlich? Spargelrost ist wirtsspezifisch und befällt ausschließlich Spargel. Sein Erreger Puccinia asparagi überwintert als dickwandige schwarze Winterspore (Teliospore) auf infizierten Pflanzenresten im Boden. Im Frühjahr keimen diese Sporen aus und verursachen die ersten, unscheinbaren Primärinfektionen. Zwar begünstigen besonders feuchte Frühjahre diese Erstinfektion, danach dreht sich aber das Bild. Trocken-warme Sommer beschleunigen und fördern die Ausbreitung, nächtlicher Tau reicht für weitere Neuinfektionen.
Im Verlauf der Vegetationsperiode bildet der Pilz mehrere Sporenformen aus. Ab Mai entstehen braune Sommersporen (Uredosporen), die durch Wind und Regen leicht verbreitet werden und für die rasche Ausweitung des Befalls innerhalb eines Bestandes verantwortlich sind.

Wintersporenlager des Spargelrostes

Nahaufnahme vom Spargelrost mit braunen Sommersporen
Schadbild und Symptome
Junganlagen (unbeerntet)
- Frühe Symptome: hellgrüne, ovale Flecken an der Stängelbasis
- Weiterer Verlauf: Entwicklung länglicher, orangeroter bis brauner Pusteln
- Später: dunkle bis schwarze Verfärbung
- Folgen: vorzeitige Abreife, geschwächte Kronen und Wurzeln, erhöhtes Absterberisiko
- Starker Befall kann zu Wachstumsdepressionen und Pflanzenausfällen führen
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Ernteanlagen
- Auftreten meist nach der Erntephase, ab Juni/Juli
- Helle Flecken auf Trieben und Laub, später braune bis schwarze Pusteln
- Vorzeitiges Absterben des Spargelkrautes
- Reduzierte Einlagerung von Reservestoffen in die Wurzel
- Ertragsverluste im Folgejahr von bis zu 30 % möglich
- Zusätzlich erhöhte Anfälligkeit für weitere Krankheiten wie Welke oder Wurzelfäulen

Spargeltrieb mit starkem Rostbefall in den Sommermonaten

Spargelkraut mit Rostbefall Quelle: A. Schulz

Spargelkraut mit Rostbefall Quelle: A. Schulz
Integrierte Maßnahmen zur Vorbeugung
Ein wirksames Management des Spargelrostes basiert auf vorbeugenden, kulturtechnischen Maßnahmen im Rahmen des integrierten Pflanzenschutzes:
- Sortenwahl: Verwendung möglichst toleranter Sorten (Hinweis: Resistenzstabilität ist begrenzt)
- Standort und Reihenorientierung: Förderung einer schnellen Abtrocknung des Laubes durch gute Durchlüftung; ungünstig sind Senken und staunasse Lagen
- Bewässerungsmanagement: Vermeidung unnötiger Blattnässe, bevorzugt bodennahe oder tröpfchenbasierte Bewässerung
- Feldhygiene: befallenes Spargelkraut im Herbst entfernen, Pflanzenreste nicht liegen lassen
- Unkraut- und Durchwuchskontrolle: Vermeidung von Infektionsquellen während der Stechperiode
- Fruchtfolge: Kein direkter Nachbau von Spargel; lange Anbaupausen sind erforderlich, um Ertragsdepressionen zu vermeiden
Chemischer Pflanzenschutz
Für bereits etablierte Bestände stehen verschiedene fungizide Wirkstoffe zur Verfügung. Da Spargel häufig gleichzeitig von mehreren Laubkrankheiten betroffen ist (z. B. Stemphylium vesicarium), sollte die Wirkstoffwahl an das gesamte Krankheitsspektrum angepasst werden.
- Kupferhaltige Präparate, wie z.B. Funguran® progress, insbesondere Kupferhydroxid, haben sich als wichtiger Baustein in der Rost- und Laubkrankheitsbekämpfung bewährt
- Kombinationsstrategien mit unterschiedlichen Wirkmechanismen können die Wirksamkeit erhöhen und das Resistenzrisiko senken
- In Versuchen zeigten sich Mischungen aus Kupferhydroxid (Funguran® progress) und Kaliumhydrogencarbonat (Kumar®) als wirksam, da die Löslichkeit und Verfügbarkeit von Kupferionen erhöht wird
- Kupfer- und Kaliumhydrogencarbonatpräparate sind sowohl im konventionellen als auch im ökologischen Anbau einsetzbar (Zulassung beachten!)
- Ein neuer Ansatz in der Rostbekämpfung ist Problad®, das neueste Multi-Site Fungizid auf Basis von Lupinenextrakt, welches sich in aktuellen Versuchen als Rost-Spezialist etabliert hat und dabei eine interessante Alternative zu klassischen chemischen Mitteln darstellt.
Die Einhaltung der jeweiligen Zulassungsauflagen sowie der Grundsätze des integrierten Pflanzenschutzes ist zwingend erforderlich.
Monitoring und Entscheidungsfindung
Regelmäßige Feldkontrollen sind entscheidend für ein frühzeitiges Erkennen der Krankheit. Besonders Junganlagen sollten intensiv überwacht werden, da sie häufig zuerst Symptome zeigen. Im Vergleich zur Stemphylium-Blattkrankheit kann Spargelrost bereits bei niedrigeren Temperaturen und kürzeren Blattnässeperioden aktiv werden.
Ein gesundes, bis in den Herbst hinein grünes Spargelkraut ist ein wichtiger Indikator für eine ausreichende Nährstoffeinlagerung und eine stabile Ertragsbasis im Folgejahr.

Regelmäßige Feldkontrollen sind entscheidend!
Fazit
Spargelrost ist mehr als nur eine „Blattkrankheit“. Er ist ein hochangepasster Pilz, dessen Dynamik stark vom Wetter abhängt und dadurch Landwirte vor gewisse Herausforderungen stellt. Durch eine Kombination aus guter Feldhygiene, standortangepasster Bewirtschaftung, konsequentem Monitoring und einem gezielten Pflanzenschutzeinsatz lässt sich das Risiko jedoch deutlich reduzieren. Sowohl konventionellen als auch ökologischen Betrieben stehen hierfür geeignete Maßnahmen zur Verfügung.