Pflaumenwickler bekämpfen:
Befall erkennen & Ernteverluste vermeiden

p
Der Pflaumenwickler (Cydia funebrana) zählt zu den bedeutendsten Schaderregern im Steinobstanbau, insbesondere bei Pflaumen und Zwetschgen. In vielen Regionen Europas verursacht er regelmäßig wirtschaftlich relevante Ertragsverluste, wobei insbesondere späte Sorten stärker betroffen sind. Der Befallsdruck variiert dabei stark in Abhängigkeit von Witterung, Standort und Anbausystem.
Bedeutung im Anbau
Der Pflaumenwickler tritt vor allem in warmen und geschützten Lagen verstärkt auf. In solchen Regionen können sich zwei, teilweise sogar drei Generationen pro Jahr entwickeln. Während frühe Sorten häufig nur gering betroffen sind, kann es bei mittelspäten und späten Sorten zu erheblichen Schäden bis hin zum Totalausfall kommen. Dies kann bei schwachem Behang zu einem wirtschaftlichen Totalschaden führen. Bei einem sehr starken Behang kann ein leichter Befall behangregulierend genutzt werden (natürliche Ausdünnung).
Ein besonderes Problem besteht darin, dass Schäden der ersten Generation oft mit dem natürlichen Junifruchtfall verwechselt werden und somit unerkannt bleiben. Die eigentliche wirtschaftliche Relevanz entsteht meist durch den Befall der zweiten Generation (vermadete Früchte) kurz vor der Ernte.
Biologie und Entwicklung
Morphologie
Der Falter ist etwa 8 mm lang und erreicht eine Flügelspannweite von 11–15 mm. Die Vorderflügel sind grau bis violett gefärbt, während die Hinterflügel graubraun erscheinen. Die Larven entwickeln sich von weißlichen Stadien zu rötlich gefärbten Raupen mit dunklem Kopf und erreichen eine Länge von etwa 10–15 mm.
Lebenszyklus
- Überwinterung: als ausgewachsene Larve in Kokons unter Rinde oder im Boden
- 1. Generation: Falterflug ab Ende April bis Juni
- 2. Generation: Flug von Juli bis Anfang September
- Eiablage: 40-60 Eier auf der Unterseite junger Früchte bei Temperaturen über ca. 12–16 °C
- Entwicklung: Ei → Larve (5 Stadien) → Puppe → Falter
Die Entwicklung ist stark temperaturabhängig. Wärmere Sommer begünstigen die Ausbildung zusätzlicher Generationen und erhöhen somit den Befallsdruck.
p
p

Pflaumenwickler (Cydia funebrana)
Schadbild
Erste Generation
- Früchte verfärben sich frühzeitig violett
- vorzeitiger Fruchtfall im Juni/Juli
- wird häufig als natürlicher Fruchtfall fehlinterpretiert
Zweite Generation
- Notreife und weiche Früchte kurz vor der Ernte
- sichtbare Einbohrlöcher mit Gummifluss
- Fraßgänge führen direkt zum Stein
- Fruchtinneres mit Kotkrümeln gefüllt
Typisch ist, dass meist nur eine Larve pro Frucht vorkommt, diese jedoch die Frucht vollständig zerstört.
p

Quelle: E. Lanz
p

p
Abgrenzung zu ähnlichen Schaderregern
Eine häufige Verwechslung besteht mit der Pflaumensägewespe. Die Unterscheidung ist entscheidend für den richtigen Bekämpfungszeitpunkt.
p
| Merkmal | Pflaumenwickler | Pflaumensägewespe |
|---|---|---|
| Insekt | Motte (Schmetterling) | Pflanzenwespe |
| Befallszeit | Sommer | Früh (Blütezeit) |
| Larve | rosa, in Frucht | weißlich, wandert zwischen Früchten |
| Schadbild | Loch + Harz + Kot | frühe Frucht fällt ohne Harz |
| Anzahl Früchte je Larve | meist eine | mehrere |
p
Monitoring und Befallsprognose
Die Grundlage jeder Bekämpfungsstrategie ist ein zuverlässiges Monitoring. Hierzu werden Pheromonfallen eingesetzt, die selektiv männliche Falter anlocken.
Wichtige Aspekte:
- Ausbringung ab Ende April
- regelmäßige Kontrolle (mindestens wöchentlich)
- Ermittlung des Flugbeginns als Grundlage für Maßnahmen
- Schwellenwerte helfen bei der Entscheidungsfindung
Die Fallen dienen ausschließlich der Überwachung und nicht der direkten Bekämpfung.
p
Integrierte Bekämpfungsstrategien
Ein nachhaltiges Management des Pflaumenwicklers beruht auf der Kombination mehrerer Maßnahmen im Sinne des integrierten Pflanzenschutzes.
- Kulturtechnische Maßnahmen
- Biotechnische Verfahren
- Biologische Bekämpfung
- Chemische und biologische Pflanzenschutzmittel
p
p
Bekämpfungsstrategie nach Sortentyp
Frühe Sorten
- meist keine oder nur eine Behandlung erforderlich
- Eingriff nur bei hohem Befallsdruck oder schwachem Behang
Späte Sorten
- 1–2 Behandlungen üblich
- Standardstrategie im integrierten Anbau:
- Einsatz biotechnischer Maßnahmen (Verwirrung)
- gezielte Behandlung gegen zweite Generation
p
Entscheidungsgrundlagen für die Praxis
Die Bekämpfung sollte sich strikt am tatsächlichen Befallsverlauf orientieren:
• geringer Befall: Monitoring und Hygienemaßnahmen ausreichend
• mittlerer Befall: Ergänzung durch biotechnische und biologische Verfahren
• starker Befall: gezielter Pflanzenschutzeinsatz erforderlich
Ein pauschaler Kalenderansatz ist aufgrund der starken Witterungsabhängigkeit nicht zielführend.
Fazit
Der Pflaumenwickler stellt weiterhin eine zentrale Herausforderung im Pflaumen- und Zwetschgenanbau dar. Entscheidend für eine erfolgreiche Kontrolle ist ein systemischer Ansatz aus Monitoring, Prävention und gezielten Maßnahmen.
Die Kombination aus:
- präzisem Monitoring (Pheromonfallen),
- konsequenter Hygiene,
- biotechnischen Verfahren
- und bedarfsgerechtem Pflanzenschutz
ermöglicht eine nachhaltige Reduktion des Befalls und sichert die Ertragsqualität – insbesondere unter den zunehmend wärmeren Klimabedingungen