Blutläuse im Apfelanbau

Die Blutlaus (Eriosoma lanigerum) ist inzwischen in fast allen Apfelanbaugebieten verbreitet. Sie besiedelt bevorzugt verletzte Rindenpartien, Schnittstellen, junge Triebe sowie den Stamm- und Wurzelhals. Im Sommer sieht man die typischen, weißen, watteartigen Wachsbüschel, unter denen sich Kolonien der etwa zwei Millimeter großen Läuse verbergen.

Der zunehmende geschützte Anbau (Hagelschutznetze), Überdachung durch Agri-PV, mechanische Schnittmaßnahmen aber auch mildere Winter (in denen die Blutlaus am Baum überwintert) fördert die Ausbreitung der Blutlaus. Gleichzeitig fallen breit wirksame chemische Pflanzenschutzmittel weg. Dies führt zu einer zunehmenden Bedeutung der Blutlausbekämpfung im Apfelanbau.

Bedeutung und Schadbild

Die Blutlaus saugt an verholzten Pflanzenteilen und jungen Trieben, nicht an Blättern! Durch Saugtätigkeit und Speichelabgabe entstehen krebsartige Rindenwucherungen (Blutlauskrebs). Diese schwächen den Baum, beeinträchtigen Triebwachstum und Holzreife und erhöhen die Frostanfälligkeit. Zusätzlich können pilzliche Krankheitserreger wie der Obstbaumkrebs (Neonectria ditissima) oder die Gloeosporium-Fäule (G. perennans, G. album) über die Wucherungen eindringen.

Die Früchte werden durch die Blutlaus stark verschmutzt und sind kaum vermarktbar.

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Biologie in Kürze

Die Überwinterung erfolgt als Junglaus im oberen Wurzelbereich in Stammnähe. Mit zunehmend wärmeren Wintern verbleiben die Jungläuse auch im oberen Stammbereich in Rindenritzen und Astschnittstellen. Ab dem Frühjahr vermehrt sich die Blutlaus parthenogenetisch. Je nach Witterung entwickeln sich 8 bis 12 Generationen pro Jahr. Geflügelte Formen ermöglichen ab dem Frühsommer eine rasche Ausbreitung in der Anlage. Die Kolonien sind durch den dichten, weißen Wachsflaum von weitem sichtbar und finden sich vornehmlich im unteren Kronenbereich. Von dort erfolgt die Ausbreitung in die obere und äußere Krone.

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Erste Blutlauskolonien im Stammbereich sind ab April zu finden. Quelle: U.Schmidt-Dittmeier

Blutlauskolonie. Quelle: U. Schmidt-Dittmeier

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  • Steckbrief: Blutlaus (Eriosoma lanigerum)

  • Familie: Blasenläuse (Pemphigidae)

  • Größe (adult): ca. 2 mm

  • Farbe: dunkelviolett

  • Körperform: gedrungen, schwach gegliedert, sehr kurze Fühler

  • Besonderes Merkmal: wollig‑weiße Wachsschicht auf dem Hinterleib

  • Siphonen: porenartig ausgebildet

  • Flügelformen: überwiegend flügellos; kleinere geflügelte Formen im Sommer

  • Larven: adulten Tieren ähnlich, jedoch kleiner; sehr langer Saugrüssel

Kontrolle und Schadschwelle

Frühe Kontrollen ab Austrieb sind entscheidend. Im Erwerbsobstbau liegt die wirtschaftliche Schadensschwelle bei etwa 2 Prozent befallenen Bäumen beziehungsweise 8–10 Kolonien je 100 Triebe.

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Regulierung und Bekämpfung

Die Blutlausregulierung sollte integriert erfolgen. Vorbeugend sind eine ausgewogene Baumführung, mäßiger Wuchs und saubere Schnittführung wichtig. Mechanische Maßnahmen wie das Ausschneiden  von Kolonien sind besonders im Frühjahr wirksam. Nützlinge, insbesondere die Blutlauszehrwespe (Aphelinus mali), Larven verschiedener Marienkäferarten und Ohrwürmer, spielen eine wichtige Rolle. Pflanzenschutzmaßnahmen sind gezielt und nur nach Überschreiten der Schadschwelle durchzuführen. Es sind nur noch wenige Pflanzenschutzmittel zur Blutausbekämpfung zugelassen, z.B. Prev-Gold®.

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Parasitierte Blutläuse. Quelle: U. Schmidt-Dittmeier

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Bei der Bekämpfung von Blattläusen (v.a. der Mehligen Apfelblattlaus) mit Teppeki® + Neudosan® Neu  kann die zwangsläufige Nebenwirkung auf Blutläuse genutzt werden.

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Fazit

Ein wirksames Blutlausmanagement basiert auf frühem Erkennen, vorbeugender Kulturführung, Förderung von Nützlingen und gezielten Eingriffen. So lassen sich wirtschaftliche Schäden im Apfelanbau langfristig begrenzen.

Quellen

https://pflanzenschutzdienst.rp-giessen.de/pflanzenschutzinfothek/obst/apfel/schaeden-am-holz/blutlaus/

https://www.iva.de/iva-magazin/haus-garten/gefaehrliche-blutlaus

https://www.kob-bavendorf.de/blutlaus.html

https://www.oekolandbau.de/bio-in-der-praxis/oekologische-landwirtschaft/oekologischer-pflanzenbau/oekologischer-pflanzenschutz/pflanzendoktor/schaderreger/schaderreger-im-obstbau-und-weinbau/tierische-schaderreger/blutlaus/