Erdmandelgras (Cyperus esculentus)
Biologie, Schadpotenzial und Herbizidstrategien im Ackerbau
Erdmandelgras (Cyperus esculentus) hat sich in den vergangenen Jahren in weiten Teilen Deutschlands stark ausgebreitet und stellt insbesondere im Mais‑, Hackfrucht‑ und Spezialkulturanbau eine erhebliche pflanzenbauliche Herausforderung dar. 2025 waren bereits mehr als 300.000 ha betroffen. Die Schwierigkeit der Bekämpfung liegt weniger in der Kontrolle des oberirdischen Bewuchses als vielmehr in der enormen Regenerationsfähigkeit über unterirdische Mandeln.

Beginnen Sie rechtzeitig mit der Bekämpfung von Erdmandelgras! Quelle: G. Haubenhofer

Starker Befall mit Erdmandelgras. Quelle: G. Haubenhofer
Biologie und Bekämpfungsrelevanz
Erdmandelgras gehört zur Familie der Sauergräser (Cyperaceae) und ist eine wärmeliebende C4‑Pflanze. Der Austrieb der Mandeln beginnt ab April/Mai bei Bodentemperaturen von etwa 8–12 °C. Die Keimung erfolgt überwiegend aus 5–15 cm Bodentiefe, größere Mandeln können jedoch auch aus über 40 cm Tiefe austreiben.
Bereits ab dem 3‑Blatt‑Stadium beginnt die Neubildung von Mandeln im Boden. Besonders intensiv ist diese Phase ab dem Ende des Langtages (ab Mitte September). Junge Mandeln sind bereits wenige Millimeter groß und sofort keimfähig. Eine einzelne Muttermandel kann innerhalb einer Vegetationsperiode mehrere hundert neue Mandeln hervorbringen. Die Überlebensfähigkeit der Mandeln im Boden beträgt im Mittel etwa fünf Jahre, einzelne Mandeln bleiben über zehn Jahre lebensfähig.
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Erdmandeln. Quelle: G. Haubenhofer
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Konsequenz für den Pflanzenschutz
Das größte Problem liegt nicht im sichtbaren Pflanzenbestand, sondern in den unterirdischen Erdmandeln. Mit Ausnahme einiger weniger, sehr griffiger Kombinationen, die im Gewächshaus getestet wurden, gelingt es derzeit keinem verfügbaren Herbizid, die im Boden befindlichen Mandeln zu schädigen. Alle chemischen Maßnahmen wirken ausschließlich auf die oberirdischen Pflanzenteile.
Daher ist eine vollständige Bekämpfung im Sinne einer Eliminierung nicht realistisch. Ziel chemischer Maßnahmen ist stets das Aushungern der Mandeln durch wiederholte Zerstörung der oberirdischen Assimilationsorgane.
Je früher der Befall bekämpft wird, desto besser sind die Chancen, die Ausbreitung wirksam zu verlangsamen.
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Herbizidstrategien
Herbizide sind ein unverzichtbarer Baustein zur Eindämmung des Befalls.
Erfolgreich sind nur mehrjährige, konsequent umgesetzte Strategien mit wiederholten Anwendungen, kombiniert mit angepasster Fruchtfolge, Bestandesführung und strikter Hygiene. Wo Herbizide isoliert eingesetzt werden, ist der Misserfolg vorprogrammiert.
Zu einer integrierten Gesamtstrategie gehören:
- frühes Erkennen und sofortiges Handeln
- konsequente Spritzfolgen statt Einzelmaßnahmen
- Kombination unterschiedlicher Wirkmechanismen
- Anpassung der Fruchtfolge
- strikte Feld‑ und Maschinenhygiene zur Vermeidung der Verschleppung
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Wirkstoffgruppen mit Relevanz
Eine alleinige Anwendung einzelner Wirkstoffe ist grundsätzlich unzureichend.
Insbesondere Kombinationen aus folgenden Wirkstoffgruppen zeigen Wirkung:
- Triketone (z. B. Mesotrione, Sulcotrione)
- Pyridat (Kontaktwirkung, verstärkende Wirkung in Kombination)
- ALS‑Hemmer (systemisch, abhängig von Notfallzulassungen)
- Bodenherbizide zur Kontrolle der Frühverunkrautung
- Phenoxycarbonsäure (in Kombination mit Glyphosat tlw. Mandelwirksam)
- Glyphosat (geringe Grundwirkung, nicht mandelwirksam)
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Bedeutung des Maisanbaus
Mais gilt in Deutschland als die Kultur mit den vergleichsweise besten chemischen Eingriffsmöglichkeiten gegen Erdmandelgras. Gleichzeitig ist Mais bei ungeeigneter Bestandesführung auch eine Hauptausbreitungskultur. Entscheidend sind Saattermin, Bestandesdichte und eine konsequente Herbizidstrategie.
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Verdrängung von Pflanzenbeständen und starke Ertragseinschränkung im Mais. Unten 0 Triebe CYPES/m². Oben 133 Triebe CYPES/m². Quelle: Certis Belchim B.V.
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Eine konsequente Strategie ist notwendig! Quelle: G. Haubenhofer
Weitere Bekämpfungsmethoden
Um die Verschleppung durch Maschinen und Ernteprodukte zu vermeiden, ist auf befallenen Flächen besonders auf Hygiene zu achten:
- Bei Erstbefall einzelne Pflanzen mit dem Spaten bis min. 30cm ausgraben und zusammen mit der Erde über den Restmüll entsorgen.
- Befallene Flächen immer zuletzt bearbeiten und beernten
- Geräte und Schuhe noch direkt auf der befallenen Fläche reinigen (Abrütteln reicht nicht!)
- Ernteprodukte auf ein- und durchgewachsene Rhizome kontrollieren
- Achtung bei überbetrieblichem Maschineneinsatz/Lohnunternehmen
- Eine Ausbreitung erfolgt nicht nur über Mandeln sondern auch über Samen (Vögel!)
- Bei starkem Befall ggf. mehrjährige Schwarzbrache kombiniert mit Bodenbearbeitung oder thermische Behandlung der Flächen
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Fazit
Erdmandelgras ist aus pflanzenbaulicher Sicht „gekommen, um zu bleiben“. Der chemische Pflanzenschutz kann weder alle Mandeln abtöten noch Flächen sanieren, er ist jedoch ein entscheidendes Werkzeug zur Reduktion der Vermehrungsdynamik. Besonders im Mais können gut abgestimmte Herbizidstrategien mit Splittinganwendungen, angepasster Applikationstechnik und hoher Disziplin im Timing die Knollenbildung deutlich begrenzen.
Der langfristige Erfolg hängt weniger von einzelnen Produkten als von der Konsequenz, Kombination und Wiederholung der Maßnahmen ab – stets ergänzt durch pflanzenbauliche und hygienische Vorsorge.