Herbizide gegen Erdmandelgras – was hilft wirklich?

Erdmandelgras (Cyperus esculentus) zählt zu den am schwierigsten zu bekämpfenden Ungräsern im Ackerbau. In vielen Regionen hat sich das wärmeliebende Sauergras etabliert und breitet sich über unterirdische Mandeln sowie Rhizome weiter aus. Die Bekämpfung stellt hohe Anforderungen an Strategie, Technik und Ausdauer. Herbizide spielen dabei eine wichtige Rolle – ihre Wirkungsmöglichkeiten sind jedoch klar begrenzt.

Dieser Beitrag gibt einen Überblick darüber, welche Herbizide gegen Erdmandelgras helfen, wie sie eingesetzt werden und wo ihre Grenzen liegen.

Erdmandelgras. Quelle: G. Haubenhofer

Grundsätzliches vorweg: Was Herbizide leisten – und was nicht

Herbizide können Erdmandelgras nicht beseitigen, sondern lediglich dessen Aufwuchs und Ausbreitung minimieren sowie verlangsamen. Die meisten verfügbaren Herbizide wirken ausschließlich auf den oberirdischen Aufwuchs – die unterirdischen Mandeln bleiben lebensfähig und treiben erneut aus.  Eine Verringerung der Keimfähigkeit von Erdmandeln ist nur möglich, wenn der Wirkstoff tatsächlich bis zu den Erdmandeln vordringt. In Gewächshausversuchen zeigten lediglich wenige Wirkstoffkombinationen und Spritzfolgen eine keimhemmende Wirkung und führten somit zu einer Schädigung der Mandeln, beispielsweise die Kombination aus Glyphosat und 2,4-D.

Ziel des Herbizideinsatzes ist nicht die Eliminierung des Erdmandelgrases, sondern die Schwächung der Pflanzen, die Reduktion der Neubildung von Mandeln und damit die Verlangsamung der Ausbreitung. In bundesweiten Versuchen hat sich gezeigt, dass eine einmalige Anwendung nicht ausreichend ist.

Die Ursache liegt in der Biologie des Erdmandelgrases: Unterirdische Mandeln überdauern mehrere Jahre, treiben aus unterschiedlichen Tiefen aus und können innerhalb einer Vegetation mehrfach neue Triebe bilden. Wird die Blattmasse zerstört, folgt ohne weitere Maßnahmen rasch der Wiederaustrieb – selbst bei stark geschädigten Pflanzen. Die Konsequenz ist eindeutig:  Eine vollständige chemische Bekämpfung ist nicht möglich. Jede Herbizidstrategie zielt auf das Aushungern der Mandeln durch wiederholte, früh angesetzte Unterbrechung der Assimilation.

Erdmandeln. Quelle: G. Haubenhofer

Herbizide sind kein Sanierungsinstrument und keine Einmal-Lösung, aber ein unverzichtbarer Baustein zur Eindämmung des Befalls. Erfolgreich sind nur mehrjährige, konsequent umgesetzte Strategien mit wiederholten Anwendungen, kombiniert mit angepasster Fruchtfolge, Bestandesführung und strikter Hygiene. Wo Herbizide isoliert eingesetzt werden, ist der Misserfolg vorprogrammiert.

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Welche herbiziden Wirkstoffe zeigen Wirkung gegen Erdmandelgras?

Mesotrione – Basis vieler Strategien

Triketonhaltige Herbizide (z. B. mit Mesotrione oder Sulcotrione) bilden in mehreren Kulturen die Grundlage der chemischen Erdmandelgrasbekämpfung. Das blatt- und bodenaktive Mesotrine gilt als ein wesentlicher Wirkstoff zur Erdmandelgrasbekämpfung in Mais. Nach der Behandlung zeigen sich am Erdmandelgras deutliche Aufhellungen bis hin zu Nekrosen des Blattapparates.

Allein eingesetzt reichen Triketone jedoch nicht aus, da es oft zu einem raschen Wiederaustrieb kommt.

Pyridat – wichtiger Wirkungsverstärker

Produkte mit dem Wirkstoff Pyridat (z. B. Onyx®) haben sich in Versuchen als zentrale Ergänzung zu Triketon‑Strategien erwiesen. Pyridat wirkt kontaktaktiv und verstärkt die Blattwirkung, insbesondere bei größeren oder stärker wachsbedeckten Pflanzen.

Wesentliche Erkenntnisse:

  • Pyridat alleine ist nicht ausreichend.
  • In Kombination mit Triketon‑Herbiziden zeigt sich jedoch:
    • stärkere Schädigung des Blattapparats,
    • deutlich reduzierte Neubildung von Knöllchen,
    • bessere Dauerwirkung bei wiederholter Anwendung.

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Onyx® + Mesotrione dämmt Erdmandelgras ein.

ALS‑Hemmer – Spezialfall mit Einschränkungen

ALS‑hemmende Wirkstoffe (z. B. Halosulfuron‑methyl) gelten als spezifisch gegenüber Sauergräsern. In Deutschland stehen sie jedoch teilweise nur über Notfallzulassungen zur Verfügung.

Wichtig für die Einordnung:

  • gute Wirkung auf den oberirdischen Wuchs,
  • keine Wirkung auf Mandeln,
  • Einsatz rechtlich stark begrenzt,
  • kein dauerhafter Lösungsansatz.

Bodenherbizide – nur im Verbund sinnvoll

Bodenherbizide tragen nicht direkt zur Erdmandelgrasbekämpfung bei, haben aber eine wichtige unterstützende Funktion:

  • Kontrolle der Begleitverunkrautung,
  • Entlastung der Blattbehandlungen,
  • Schaffung besserer Wirkungsbedingungen.

Allein eingesetzt haben Bodenherbizide keine nachhaltige Wirkung gegen Erdmandelgras, da die Mandeln aus tieferen Bodenschichten austreiben.

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Welche Herbizidstrategien haben sich bewährt?

Aus Versuchen und Praxiserfahrungen lassen sich einige grundlegende Prinzipien ableiten:

 1. Einzelanwendungen sind nicht ausreichend

Einmalige Behandlungen führen meist nur zu Nekrosen der Blätter. Die Knollenbildung wird kaum reduziert, der Wiederaustrieb erfolgt regelmäßig. Nachhaltige Effekte wurden nur bei mehrmaligen Behandlungen beobachtet.

Erst die wiederholte Applikation reduziert die Erdmandelbildung.  Topfversuch Certis Belchim: Bonitur nach 145 Tagen;

1Meso = 100g/l Mesotrione; 1 Onyx = 600g/l Pyridat

 2. Spritzfolgen sind entscheidend

Versuche in Mais sowie in Topf- und Gewächshausversuchen zeigen klar: Hohe Wirkungsgrade werden nur mit Splitting- bzw. Spritzfolgestrategien erreicht. Erst aufeinander abgestimmte Spritzfolgen führen zu relevanten Bekämpfungserfolgen. Einzelne Anwendungen greifen oftmals zu kurz, da sie die Regenerationsfähigkeit der Pflanzen nicht ausreichend berücksichtigen.

Bewährte Grundstruktur:

  1. frühe Nachauflaufbehandlung (orientiert am Erdmandelgras), (Erdmandelgras sollte mindestens 10 – 15 cm Pflanzengröße aufweisen für genug Angriffsfläche)
  2. Hohe Wasseraufwandmengen für ausreichende Benetzung (350 – 400 l/ha)
  3. zweite Anwendung nach 7–14 Tagen,
  4. bei Bedarf dritte Korrekturmaßnahme.

Durch dieses Vorgehen wird die Assimilationsleistung der Pflanzen wiederholt unterbrochen. Genau dieser Effekt ist entscheidend, um die Neubildung und vor allem die Füllung der Mandeln nachhaltig zu reduzieren.

Im Vergleich zu Einzelmaßnahmen zeigt die Spritzfolgestrategie deutlich stärkere Effekte: Die Pflanze wird immer wieder geschwächt und kann ihre Energiespeicher nicht vollständig aufbauen. Das Ergebnis ist eine deutlich effektivere und langfristigere Bekämpfung – ein wichtiger Baustein für ein erfolgreiches Management von Erdmandelgras im Maisanbau.

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Erdmandelgras im Mais: Links behandelt, rechts unbehandelt. Quelle: G. Haubenhofer

3. Kombination unterschiedlicher Wirkmechanismen

Erfolgreiche Strategien basieren nicht auf Einzelprodukten, sondern auf der Kombination verschiedener Wirkstoffgruppen, insbesondere:

  • blatt- sowie bodenaktive Triketone
  • Kontaktwirkstoffe (Pyridat) mit verstärkender Wirkung
  • Ergänzung durch Bodenherbizide zur Kontrolle der Begleitverunkrautung

Der Grundsatz lautet: nicht schärfer, sondern häufiger und früher

Unsere Empfehlung:

  1. Welle 0,75 l/ha Onyx® + 100g/ha Mesotrione oder 1,0L Botiga® + Bodenpartner
  2. Welle 0,75 l/ha Onyx® + 100g/ha Mesotrione

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Applikation: entscheidender Erfolgsfaktor

Unabhängig vom eingesetzten Wirkstoff ist die Applikationstechnik ein entscheidender Erfolgsfaktor bei der Bekämpfung von Erdmandelgras. Die Pflanzen besitzen schmale Blätter, die häufig stark wachsbedeckt sind. Dadurch ist die Wirkstoffaufnahme deutlich erschwert, sodass eine gute Benetzung zwingend notwendig ist.

Versuche zeigen, dass weniger die Produktmenge, sondern vielmehr die Qualität der Applikation über den Behandlungserfolg entscheidet. Bewährt haben sich hohe Wasseraufwandmengen von 300 bis 500 l/ha, eine sauber abgestimmte Düseneinstellung sowie eine gleichmäßige Verteilung des Spritzbelags. Besonders bei späteren Behandlungen können Unterblatt- oder Dropleg-Techniken Vorteile bringen, um auch tiefer sitzende Pflanzenteile sicher zu erreichen.

Applikationsfehler führen unabhängig vom Herbizid regelmäßig zu deutlich reduzierten Wirkungsgraden. Eine sorgfältige und an die Bestandesentwicklung angepasste Applikation ist daher Grundvoraussetzung für eine wirksame und verlässliche Kontrolle von Erdmandelgras.

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Unterblattbehandlung mit Dropleg-Technik. Quelle: N. Jacobs, D. Behr

Fazit

Herbizide wirken gegen Erdmandelgras – aber nur innerhalb klarer Grenzen. Sie sind in der Lage, den oberirdischen Aufwuchs deutlich zu schädigen, die Mandelbildung zu reduzieren und damit die Ausbreitung zu verlangsamen. Was sie jedoch nicht leisten können, ist ebenso klar: Mandeln vollständig abtöten, Flächen sanieren oder das Problem dauerhaft und allein lösen.

Erfolg gibt es nur mit konsequenten, mehrjährigen Strategien: früh eingesetzt, kombiniert, in Spritzfolgen und technisch sauber appliziert. Wer auf die „eine“ Maßnahme hofft, scheitert. Langfristig wirksam ist ausschließlich ein integrierter Ansatz, in dem Herbizide ein wichtiger, aber begrenzter Baustein aus Fruchtfolge (u.U. inkl. Schwarzbrache), Bestandesführung und Hygiene sind.

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Starker Erdmandelgrasbefall in Mais in der Steiermark. Quelle: G. Haubenhofer

Leichter Erdmandelgrasbefall in Kartoffeln. Quelle: C. Fuchs