Erdmandelgras bekämpfen: Welche Kultur wirklich funktioniert

Erdmandelgras stellt Landwirtinnen und Landwirte vor besondere Herausforderungen – nicht nur aufgrund seiner hohen Ausbreitungsfähigkeit, sondern vor allem wegen der stark kulturabhängigen Bekämpfungsmöglichkeiten. Entscheidend ist, dass eine wirksame Eindämmung nur gelingen kann, wenn sich die Bekämpfung von Erdmandelgras nicht auf einzelne Maßnahmen oder ein einzelnes Anbaujahr beschränkt, sondern konsequent über mehrere Jahre hinweg geplant und fest in die Fruchtfolge integriert wird. Die Handlungsspielräume, Wirkungsgrade und Risiken unterscheiden sich je nach Kultur erheblich. Herbizidstrategien, pflanzenbauliche Maßnahmen und selbst die grundsätzliche Anbaueignung einer Fläche lassen sich daher nicht isoliert betrachten, sondern müssen immer im Kontext der jeweiligen Kultur bewertet werden.

Erdmandelgrasbesatz im Mais. Quelle: C. Fuchs

Mais – größte Handlungsspielräume

Im Mais stehen im Vergleich zu anderen Kulturen die meisten Herbizidkombinationen und Einsatzfenster zur Verfügung. Dadurch ergeben sich besonders gute Möglichkeiten für eine intensive und gezielte Herbizidstrategie. Mehrjährige Versuche zeigen, dass sich durch konsequent umgesetzte Herbizidfolgen die Knollenbildung deutlich reduzieren lässt.

Dennoch gilt auch im Mais: Herbizide allein können eine Fläche nicht sanieren. Nachhaltige Effekte stellen sich nur ein, wenn die Maßnahmen über mehrere Jahre hinweg konsequent durchgeführt werden. Der Vorteil des Maisanbaus liegt vor allem in den flexiblen Einsatzfenstern, den zahlreichen zugelassenen Wirkstoffkombinationen und der Möglichkeit, Spritzfolgen umzusetzen.

Ziel ist dabei keine vollständige Beseitigung des Befalls, sondern eine schrittweise und dauerhafte Schwächung. Durch wiederholte, gut abgestimmte Herbizidfolgen kann der Entwicklungszyklus der Pflanzen unterbrochen und die Knollenbildung über mehrere Jahre hinweg deutlich eingeschränkt werden.

p

Quelle: G. Haubenhofer

p

Kartoffeln – sehr eingeschränkte Chemie

Im Kartoffelanbau ist die Situation deutlich schwieriger als in anderen Kulturen. Besonders kritisch: Rhizome und Mandeln können Knollen durchwachsen. Dies kann zu Qualitätsverlusten führen und im Extremfall dazu, dass das Erntegut nicht mehr abgenommen wird.

Die chemischen Möglichkeiten zur Bekämpfung von Erdmandelgras sind im Kartoffelbau stark eingeschränkt. Klassische Graminizide zeigen keine Wirkung, da es sich um ein Sauergras handelt. Auch einzelne ALS-Hemmer oder Nachauflaufherbizide liefern allenfalls unsichere Nebenwirkungen, während Bodenherbizide gegen Erdmandelgras keine nachhaltige Wirkung entfalten.

Damit wird deutlich: Herbizide können im Kartoffelanbau bestenfalls eine begleitende Rolle spielen, das Problem jedoch nicht lösen. Eine wirksame Kontrolle allein über chemische Maßnahmen ist nicht realistisch. Stattdessen rückt die pflanzenbauliche Entscheidung in den Vordergrund. Die Anbaueignung der Fläche muss kritisch geprüft werden, denn Herbizide können hier keine grundlegenden Fehlentscheidungen kompensieren, sondern allenfalls unterstützend wirken.

p

p

p

p

Quelle: C. Fuchs

Zuckerrübe

In der Zuckerrübe ist die chemische Bekämpfung von Erdmandelgras besonders eingeschränkt und zugleich risikobehaftet. Klassische Graminizide zeigen keine Wirkung, da Erdmandelgras ein Sauergras ist. Blattaktive Herbizide mit Nebenwirkungen können den Aufwuchs zwar zeitweise schwächen, erreichen jedoch keine nachhaltige Unterdrückung. Spezifische Strategien sind ausschließlich in Conviso‑Sorten möglich: Hier kann im frühen Stadium des Erdmandelgrases (2-3‑Blattstadium) eine Splitting‑Anwendung von Conviso One vorübergehend hohe Wirkungsgrade erzielen. Diese Wirkung nimmt jedoch deutlich ab, sobald weitere Auflaufwellen erfolgen.

Unabhängig vom System gilt: Herbizide wirken bis auf eine Ausnahme ausschließlich auf den oberirdischen Bestand und nicht auf die Mandeln. Bei bekanntem oder starkem Erdmandelgrasbefall ist die Zuckerrübe daher eine hochriskante Kultur, weshalb häufig empfohlen wird, auf den Rübenanbau vollständig zu verzichten, bis der Druck durch mehrjährige Maßnahmen in anderen Kulturen deutlich reduziert wurde.

Getreide

Im Getreideanbau sind die chemischen Wirkungsmöglichkeiten insgesamt gering. Zwar lassen sich mit einzelnen Herbiziden Teilwirkungen erzielen, diese reichen jedoch in der Praxis selten aus, um Erdmandelgras wirksam zu kontrollieren. Entscheidend ist hier weniger der chemische Ansatz als vielmehr die Konkurrenzkraft des Bestandes.

Eine frühe, dichte Bestandesetablierung sorgt für schnelle Beschattung und entzieht dem Erdmandelgras Licht und Wachstumsmöglichkeiten. Damit geht die Hauptwirkung im Getreide nicht von Herbiziden aus, sondern von pflanzenbaulichen Faktoren. Herbizide können allenfalls unterstützend wirken, während die Bestandesführung und eine starke Konkurrenz die zentrale Rolle bei der Eindämmung des Erdmandelgrases übernehmen.

p

p

Fazit

Die Bekämpfung von Erdmandelgras ist keine Einzelmaßnahme, sondern eine langfristige Managementaufgabe, deren Erfolg maßgeblich von der angebauten Kultur abhängt. Die Handlungsspielräume reichen von vergleichsweise flexiblen und wirksamen Strategien im Mais bis hin zu sehr engen, risikobehafteten Optionen in Kartoffeln, Zuckerrüben und Getreide. Herbizide können dabei je nach Kultur eine unterstützende Rolle spielen, sind jedoch niemals allein in der Lage, den Bestand nachhaltig zu sanieren.

Entscheidend für eine wirksame Eindämmung ist die Integration aller Maßnahmen in eine durchdachte Fruchtfolge. Kulturwahl, Bestandesführung und realistische Bekämpfungsziele müssen konsequent aufeinander abgestimmt und über mehrere Jahre verfolgt werden. Wo die kulturabhängigen Grenzen ignoriert werden, steigt nicht nur das Risiko einer unzureichenden Wirkung, sondern auch das betriebliche Risiko insgesamt. Nachhaltiger Erfolg im Umgang mit Erdmandelgras bedeutet daher vor allem eines: strategisches Denken über einzelne Kulturen und Anbaujahre hinaus.