Mechanische Unkrautbekämpfung im Kartoffelbau:
Strategien und Grenzen

Unkrautfreier, junger Bestand. Quelle: C.Fuchs
Der Wegfall wichtiger Wirkstoffe wie Metribuzin und Flufenacet führt dazu, dass die mechanische Unkrautbekämpfung im Kartoffelanbau zunehmend an Bedeutung gewinnt. Sie stellt – ergänzend oder alternativ zur chemischen Kontrolle – einen wichtigen Baustein dar, um Bestände bis zum Bestandsschluss möglichst unkrautfrei zu halten.
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Bedeutung der frühen Unkrautregulierung
Kartoffeln weisen aufgrund ihrer langsamen Jugendentwicklung und des späten Bestandsschlusses nur eine begrenzte Konkurrenzkraft gegenüber Unkräutern auf. Dadurch haben Unkräuter ausreichend Zeit, sich zu entwickeln und die Kulturpflanzen zu beeinträchtigen. Ziel ist daher eine präventive Regulierung zwischen Pflanzung und Reihenschluss sowie erneut ab Krautvernichtung.
Besonders in Sorten mit kleinem Blattwerk oder in Low-Input-Systemen wird das Thema Spätverunkrautung größer. Diese kann oft erst spät sichtbar werden und sich noch bis zur Ernte negativ auf die Qualität und den Ertrag auswirken. Sikkationsmaßnahmen können sie zwar teilweise eindämmen, ersetzen aber keine vorherige Bestandespflege.
Der Anbau als Dammkultur ermöglicht je nach Witterung eine effektive mechanische Unkrautbekämpfung mit verschiedenen Striegel- und Hackgeräten, insbesondere während der kritischen Jugendentwicklung. Der Bekämpfungserfolg ist hier sehr stark von den Standortbedingungen, der Witterung und Erfahrungswerten abhängig.
Möglichkeiten des Striegels: Effektiv in frühen Stadien
Am wirksamsten ist die mechanische Bekämpfung mit dem Striegel im Keimschlauch- oder Keimblattstadium der Unkräuter.
Blindstriegeln (vor dem Auflaufen)
- Zielt auf die Zerstörung von Unkrautkeimschläuchen ab.
- Freigelegte Keimschläuche vertrocknen schnell.
- Junge Kartoffeltriebe in der Dammkrone sind in dieser Phase jedoch bruch- und schlagempfindlich.
Striegeln nach dem Auflaufen
- Entwurzelt junge Unkräuter im Keimblattstadium zuverlässig.
- Fortgeschrittene Entwicklungsstadien werden nur geschwächt, selten vollständig beseitigt.
- Striegeleinsatz ist in der Regel bis zu einer Staudenhöhe von etwa 25 cm möglich, ohne das Kulturpflanzenwachstum erheblich zu beeinträchtigen.

Auflauf von Weißem Gänsefuß. Quelle: C.Fuchs
Hack- und Häufeltechnik: Ergänzung in späteren Entwicklungsphasen
Sobald ein weiterer Striegeleinsatz nicht mehr möglich ist, kommen Hackgeräte, Häufelgeräte und Dammformer zum Einsatz.
Hacken
- Bearbeitung der Dammflanken und Zwischenreihen.
- Ziel ist die Zerstörung bereits etablierter Unkräuter.
- Kartoffelwurzeln und Stolonen reagieren empfindlich auf mechanische Verletzungen, weshalb die Eingriffstiefe sorgfältig zu wählen ist. Bei Beschädigungen im Wurzelbereich sind Ertragseinbußen die Folge.
Häufeln
- Sollte möglichst vor Reihenschluss stattfinden.
- Nach Starkregenereignissen kann Häufeln große Vorteile bringen, da verschlämmte Dammschichten wieder geöffnet werden und die Kulturpflanze einen Wachstumsvorsprung erhält.
- Der Damm sollte spätestens zum Auflaufen der Kartoffeln vollständig aufgebaut sein, um ein Zuschütten junger Stauden zu vermeiden. Dies führt sonst zu Wachstumsverzögerungen und Ertragsverlusten.

Verschlämmter Damm, Quelle: C.Fuchs
Grundsatz: So viel wie nötig, so wenig wie möglich
Jede Feldüberfahrt verursacht Kosten, erhöht den Bodendruck und birgt Risiken für Pflanzenschäden. Daher gilt in der mechanischen Unkrautbekämpfung der Grundsatz:
„So viele Durchfahrten wie nötig, so wenige wie möglich.“
Die Entscheidung über die richtige Maßnahme und den optimalen Zeitpunkt hängt stark von folgenden Faktoren ab:
- Standortbedingungen
- Bodenart
- aktuelle Witterung und Wetterprognosen
- Entwicklungsstadium der Kultur
- Unkrautartenspektrum und -druck
- Maschinentechnik und Erfahrung des Betriebs
Fazit
Die mechanische Unkrautbekämpfung im Kartoffelbau bleibt eine anspruchsvolle, aber sehr wirkungsvolle Methode – vor allem vor dem Hintergrund sinkender chemischer Bekämpfungsmöglichkeiten. Entscheidend für den Erfolg sind Timing, Witterung, Standortbedingungen und Erfahrung im Umgang mit Striegel-, Hack- und Häufeltechnik.
Eine strategisch geplante Kombination aus Blindstriegeln, Striegeln im frühen Stadium sowie Hacken und Häufeln in späteren Phasen bietet gute Voraussetzungen für einen unkrautarmen und ertragsstarken Kartoffelbestand.