Rapsschädlinge sicher erkennen:

Gelbschalen als Schlüssel für fundierte Entscheidungen

Warum konsequentes Monitoring im Raps unverzichtbar ist

Winterraps steht über weite Teile des Jahres unter Schädlingsdruck. Vom Auflaufen im Herbst bis zur Schotenbildung im Frühsommer treten unterschiedliche Schadinsekten auf, deren Auftreten stark witterungsabhängig ist. Pauschale Pflanzenschutzmaßnahmen sind weder fachlich noch wirtschaftlich sinnvoll. Die Grundlage einer gezielten Strategie ist ein systematisches Monitoring, bei dem Gelbschalen eine zentrale Rolle spielen.

Die wichtigsten Rapsschädlinge im Jahresverlauf

Herbst: Bestände früh absichern

Relevante Schädlinge im Herbst sind Schnecken, Rapserdfloh, Kleine Kohlfliege, Schwarzer Kohltriebrüssler.

Sie schädigen Keimlinge, Blattstiele, Wurzeln oder den Vegetationskegel und können das Auswinterungsrisiko deutlich erhöhen.

Frühjahr: Rüssler sicher im Blick behalten

Im Frühjahr liegt der Schwerpunkt auf dem Monitoring der Rüsslerarten. Einige sind bereits ab 5°C Boden- bzw. 10°C Lufttemperatur aktiv.

Besonders relevant sind Großer Rapsstängelrüssler, Gefleckter Kohltriebrüssler, Rapsglanzkäfer, Kohlschotenrüssler und Kohlschotenmücke. Das Zeitfenster für wirksame Maßnahmen ist häufig kurz.

  • Typische Fehler im Frühjahr vermeiden

  • Gelbschalen zu spät aufstellen

  • Fänge nicht differenziert bestimmen

  • Schadschwellen ignorieren

  • Keine Pflanzenbonitur durchführen

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Großer Rapsstängelrüssler

Der Große Rapsstängelrüssler ist einer der bedeutendsten Rapsschädlinge im Frühjahr. Die Eiablage in junge Stängel führt zu Verkrümmungen und Ertragsverlusten. Die Verkrümmungen können durch Frost ausreißen. Die Risse sind zusammen mit den Einstichlöchern Eintrittspforten für Krankheiten. Er ist an seinen schwarzen „Schuhen“ vom Kohltirebrüssler zu unterscheiden.

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Rapsglanzkäfer

Der Rapsglanzkäfer tritt vor der Blüte auf und schädigt Knospen durch Fraß.

Gefleckter Kohltriebrüssler

Der Gefleckte Kohltriebrüssler folgt meist kurz darauf. Nach 8-12 Tagen Reifefraß erfolgt die Eiablage. Seine Larven fressen in Blattstielen und Stängeln. Der Kohltriebrüssler ist an seinen rötlich-braunen „Schuhen“ vom Stängelrüssler zu unterscheiden.

Kohlschotenrüssler und Kohlschotenmücke

Der Kohlschotenrüssler und die Kohlschotenmücke treten zur Blüte und Schotenbildung auf und beeinträchtigen die Kornbildung.

Gelbschalen richtig einsetzen

Gelbschalen dienen der Erfassung flugaktiver Schadinsekten. Sie werden im Herbst ab Auflaufen des Rapses und im Frühjahr ab etwa 5 °C Bodentemperatur aufgestellt. Im Herbst sollten Sie eckige Gelbschalen nutzen, im Frühjahr ab etwa Mitte Februar dann runde. Platzieren Sie die Gelbschalen sowohl am Feldrand als auch im Feldinneren auf Höhe der Pflanzenoberkante. Ein Schutzgitter verhindert das Ertrinken von Nützlingen.

  • Gelbschale richtig betreiben

  • Wasserstand kontrollieren

  • Netzmittel zusetzen

  • Schutzgitter verwenden

  • Gelbschale regelmäßig kontrollieren und dokumentieren

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Die komplette Checkliste für Gelbschalen finden Sie hier.

Befallsbewertung und Entscheidungsfindung

Die Gelbschale zeigt den Zuflug, nicht automatisch den Bekämpfungsbedarf. Eine Kombination aus Gelbschalenkontrolle, Pflanzenbonitur und Abgleich mit den Schadschwellen ist notwendig, um fachlich und wirtschaftlich richtige Entscheidungen zu treffen.

Bekämpfung im konventionellen Anbau

Für die chemische Bekämpfung stehen Pyrethroide der Klasse 2 sowie das Pyrethroid Etofenprox (Klasse 1) zur Verfügung. Diese Wirkstoffe besitzen eine Zulassung gegen verschiedene Rüsslerarten. Wird gleichzeitig ein Befall mit dem Rapsglanzkäfer erwartet, bietet Etofenprox den Vorteil, dass beide Schaderreger mit einer Maßnahme erfasst werden können. Als zugelassenes Produkt steht hierfür aktuell  Trebon® 30 EC zur Verfügung.

Insektizide sollten grundsätzlich nach dem täglichen Bienenflug ausgebracht werden und nur auf trockene Bestände gelangen. Auch die Wahl des richtigen Applikationszeitpunktes ist entscheidend: Es empfiehlt sich, den vorhergesagten Witterungsverlauf zu berücksichtigen. Bei mehrtägigem Schönwetter kann es sinnvoll sein, einige Tage zu warten, um den Hauptzuflug der Käfer besser zu erfassen.

Mehr über den Einsatz von Insektiziden erfahren sie hier.

Bekämpfung im ökologischen Rapsanbau

Ökologisch wirtschaftende Betriebe verfügen über deutlich weniger direkte Bekämpfungsmöglichkeiten: Neudosan® Neu  und Sluxx® HP  sind beide in der Betriebsmittelliste für den ökologischen Landbau in Deutschland gelistet.

Neudosan® Neu ist ein Kontaktinsektizid gegen Rapsglanzkäfer. Seine Wirkung beruht auf drei Fettsäuren, die aus Rapsöl gewonnen und anschließend zu Kalilauge verseift werden. Es wirkt nur auf direkt getroffene Schädlinge. Entscheidend für den Behandlungserfolg von Neudosan® Neu Neu ist eine ausreichende Wasseraufwandmenge zwischen 400 – 600 l/ha und ein grobes Tropfenspektrum der eingesetzten Düse. Nach Antrocknen des Spritzbelages ist keine insektizide Aktivität mehr vorhanden, was Nützlinge schützt.

Sluxx® HP ist ein extra regenfester Schneckenköder auf Basis von Eisen-III-phosphat. Er wird über Fraß aufgenommen. Unmittelbar nach der Köderaufnahme stellen die Nacktschnecken ihren Fraß ein. Dieser Fraßstopp führt zu einem sofortigen Schutz der Kulturen.

Aufgrund der begrezten direkten Bekämpfungsmöglichkeiten liegt der Fokus im ökologischen Landbau auf vorbeugenden Maßnahmen sowie der Förderung natürlicher Gegenspieler. Diese Maßnahmen tragen zwar nicht zur vollständigen Kontrolle von Rüsslerpopulationen bei, unterstützen aber die Stabilisierung des Gesamtsystems und können so den Befallsdruck mindern.

Mögliche Ansätze sind:

  • Auswahl frühschossender und robuster Rapssorten
  • Förderung von Nützlingen wie Laufkäfern, Spinnen oder Schlupfwespen
  • Mulchsaatverfahren, um Lebensräume für Nützlinge zu schaffen (unter Beachtung des Schneckenrisikos)
  • Pfluglose Bodenbearbeitung, um Überwinterungsquartiere von Parasitoiden zu schützen
  • Anlage von Buntbrachen oder anderen Strukturelementen in Feldnähe, die Nützlingen als Lebensraum dienen

Fazit

Gelbschalen sind ein zentrales Werkzeug im integrierten Pflanzenschutz im Raps. Sie ermöglichen eine verlässliche Einschätzung des Befalls und dienen damit als Grundlage für gezielte, schadschwellenorientierte und ressourcenschonende Maßnahmen.

Die Regulierung von Rüsslern erfordert eine Kombination aus konsequentem Monitoring, der Beachtung festgelegter Schadschwellen sowie – abhängig vom Produktionssystem – dem passenden Mix aus chemischen oder vorbeugenden agronomischen Strategien. Konventionell wirtschaftende Betriebe können wirksame Pyrethroide einsetzen, während ökologisch wirtschaftende Betriebe verstärkt auf Sortenwahl, Förderung von Nützlingen und präventive Maßnahmen angewiesen sind.

Unabhängig vom Bewirtschaftungssystem bleibt die regelmäßige und sorgfältige Kontrolle der Bestände der entscheidende Faktor, um den Befall rechtzeitig zu erkennen und wirkungsvolle Maßnahmen einzuleiten.

Quellen

Info-N.U.Agrar GmbH, Grünes Info Nr. 03/2026