Getreide von der Saat bis zur Ernte gesund halten

Ein gesunder Getreidebestand ist die Grundlage für stabile Erträge und hohe Qualitäten. Dabei beginnt erfolgreicher Pflanzenschutz bereits vor der Aussaat und begleitet die Kultur bis zur Ernte. Neben der Wahl geeigneter Sorten und einer angepassten Fruchtfolge spielen die Beobachtung des Bestandes sowie der gezielte Einsatz von Pflanzenschutzmaßnahmen eine wichtige Rolle. Grundlage hierfür sind stets die geltenden Zulassungen, Schadschwellen und standortspezifischen Bedingungen.

p

Die Basis legen: Schutz des Saatguts und optimale Aussaat

Der Pflanzenschutz im Getreide beginnt bereits mit der Aussaat. Eine Saatgutbeizung schützt junge Pflanzen vor samen- und bodenbürtigen Krankheiten wie Brandpilzen oder Fusarium-Arten. Dadurch wird das Auflaufen der Bestände abgesichert und die Jugendentwicklung gefördert.

Bei Flächen mit erhöhtem Risiko für Schwarzbeinigkeit kann zudem der Einsatz einer speziellen Wurzelschutzbeize sinnvoll sein. Die Krankheit wird durch den bodenbürtigen Pilz Gaeumannomyces graminis verursacht und kann insbesondere in engen Getreidefruchtfolgen, bei Stoppelweizen, hohem Ungrasdruck oder trockenen Standorten zu deutlichen Ertragseinbußen führen. Da eine direkte Bekämpfung im Bestand nicht möglich ist, muss das Management vorbeugend erfolgen. Spezialisierte Saatgutbehandlungen können den frühen Wurzelbefall mindern, die Entwicklung eines gesunden Wurzelsystems unterstützen und so Wasser- und Nährstoffaufnahme sowie Bestandesvitalität stabilisieren. Die Wirkung ist als Befallsminderung zu verstehen; eine vollständige Kontrolle wird dadurch nicht erreicht.

Ebenso entscheidend ist der richtige Saattermin. Zu frühe Aussaaten können das Risiko für Krankheiten und Schädlinge erhöhen, während bei verspäteter Aussaat die Bestockung eingeschränkt sein kann. Die Wahl geeigneter Sorten sowie eine angepasste Saatstärke helfen dabei, standortspezifische Risiken auszugleichen.

p

Herbstliche Unkraut- und Ungrasbekämpfung

Nach dem Auflaufen steht häufig die Bekämpfung von Unkräutern und Ungräsern im Fokus. Vor allem in Regionen mit hohem Druck durch Ackerfuchsschwanz oder Windhalm kann eine frühe Herbstbehandlung wichtige Vorteile bieten. Viele Problemunkräuter lassen sich bereits im Keimblatt- oder frühen Blattstadium wirksam erfassen.

Die Wahl des Herbizids sollte sich dabei am vorhandenen Unkraut- und Ungrasspektrum orientieren. Gleichzeitig müssen Witterung und Bodenfeuchtigkeit berücksichtigt werden. Bodenwirksame Herbizide benötigen ausreichende Feuchtigkeit, um ihre volle Wirkung entfalten zu können. Bei Trockenheit können Bekämpfungserfolge deutlich reduziert sein.

Schnecken frühzeitig überwachen

Vor allem nach Raps oder bei feuchten Bedingungen können Schnecken erhebliche Schäden in jungen Getreidebeständen verursachen. Gefährdet sind insbesondere Pflanzen bis zum Beginn der Bestockung. Feuchte Standorte, Ernterückstände sowie Hohlräume im Boden begünstigen die Entwicklung der Schaderreger.

Neben dem Einsatz zugelassener Molluskizide sind vorbeugende Maßnahmen von großer Bedeutung. Dazu zählen eine angepasste Bodenbearbeitung, die Beseitigung der „grünen Brücke“ sowie eine gute Rückverfestigung des Saatbetts. Regelmäßige Feldkontrollen helfen dabei, Schäden frühzeitig zu erkennen und notwendige Maßnahmen rechtzeitig einzuleiten.

p

p

Blattläuse und Viruskrankheiten im Blick behalten

Im Herbst kommt der Kontrolle von Blattläusen eine besondere Bedeutung zu. Die Schädlinge übertragen unter anderem das Gerstengelbverzwergungsvirus, das zu erheblichen Ertragseinbußen führen kann. Besonders gefährdet sind früh gesäte Bestände sowie Jahre mit langen, milden Herbstperioden.

Regelmäßige Bonituren bilden die Grundlage für die Bekämpfungsentscheidung. Insektizide sollten ausschließlich nach Erreichen der Bekämpfungsschwellen eingesetzt werden. Damit lassen sich unnötige Anwendungen vermeiden und die Wirksamkeit verfügbarer Wirkstoffe langfristig erhalten.

Frühjahr: Bestände kontrollieren und Maßnahmen anpassen

Nach der Überwinterung sollten die Bestände erneut bewertet werden. Falls erforderlich, kann eine Nachbehandlung gegen Ungräser und Unkräuter erfolgen. Entscheidend ist dabei die frühzeitige Bekämpfung, da kleinere Pflanzen in der Regel leichter und sicherer zu erfassen sind als weit entwickelte Bestände.

Vor der Mittelwahl sollte auch die Resistenzsituation auf der Fläche berücksichtigt werden. Insbesondere bei Ackerfuchsschwanz können resistente Populationen die Wirkung einzelner Wirkstoffgruppen deutlich einschränken.

Ergänzend zu Düngung und Pflanzenschutz können Biostimulanzien dazu beitragen, zentrale physiologische Prozesse der Pflanzen zu unterstützen. Sie enthalten selbst kaum Nährstoffe, fördern aber unter anderem die Nährstoffaufnahme, die physiologische Aktivität und die Stresstoleranz gegenüber Faktoren wie Trockenheit, Hitze oder Nährstoffmangel. Im Getreide können entsprechende Anwendungen vor allem in Phasen schnellen Wachstums oder bei abiotischem Stress sinnvoll sein, um Photosyntheseleistung, Vitalität und Ertragspotenzial der Bestände zu stabilisieren. Biostimulanzien ersetzen weder Düngung noch Pflanzenschutz, sondern sind als ergänzender Baustein innerhalb eines standortangepassten Anbausystems zu verstehen.

Pilzkrankheiten gezielt bekämpfen

Mit steigenden Temperaturen im Frühjahr und Frühsommer gewinnen Blattkrankheiten zunehmend an Bedeutung. Welche Krankheiten auftreten, hängt von Getreideart, Sorte, Witterung und Fruchtfolge ab.

In Wintergerste zählen unter anderem Netzflecken, Rhynchosporium und Zwergrost zu den wichtigsten Krankheiten. Im Winterweizen stehen insbesondere Mehltau, Gelbrost, Braunrost, Septoria tritici sowie Ährenfusariosen im Fokus. Winterroggen wird vor allem durch Braunrost gefährdet.

Eine regelmäßige Bestandeskontrolle ist die Grundlage für jede Fungizidstrategie. Die Anfälligkeit der Sorte, die Niederschlagsverhältnisse, die Fruchtfolge und der bisherige Krankheitsverlauf sollten in die Entscheidung einbezogen werden. Fungizide stellen dabei einen Baustein innerhalb eines integrierten Pflanzenschutzkonzeptes dar.

Integrierter Pflanzenschutz als Schlüssel zum Erfolg

Erfolgreicher Getreideanbau basiert nicht auf einer einzelnen Maßnahme, sondern auf dem Zusammenspiel vieler Faktoren. Fruchtfolge, Sortenwahl, Saattermin, Bodenbearbeitung, regelmäßige Bestandeskontrollen und ein bedarfsgerechter Pflanzenschutz tragen gemeinsam dazu bei, Krankheiten, Schädlinge und Unkräuter wirksam zu kontrollieren.

Wer seine Bestände während der gesamten Vegetationsperiode aufmerksam begleitet und Maßnahmen gezielt auf die jeweilige Situation abstimmt, schafft die Voraussetzungen für gesunde Pflanzen, stabile Erträge und eine hohe Kornqualität bis zur Ernte.