Erdmandelgrasbekämpfung im Mais

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Warum ist Mais eine Schlüsselkultur?

Erdmandelgras (Cyperus esculentus) zählt inzwischen zu den problematischsten Ungräsern im Ackerbau. Seine enorme Vermehrungsleistung über unterirdische Mandeln, die jahrelang im Boden lebensfähig bleiben, macht eine nachhaltige Bekämpfung extrem anspruchsvoll. In dieser Situation kommt einer Kultur eine besondere Bedeutung zu: Mais. Doch warum gilt gerade Mais als Schlüsselkultur in der Erdmandelgrasstrategie – und wo liegen die Grenzen?

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Maisbestand mit starkem Erdmandelgrasbesatz. Quelle: G. Haubenhofer

Ein Problem, das unter der Oberfläche beginnt

Der Bekämpfungsschwerpunkt beim Erdmandelgras liegt nicht im sichtbaren Blattapparat, sondern im Boden. Schon ab Bodentemperaturen von etwa 8–12 °C treiben die Mandeln aus Tiefen von 5 bis 15 cm aus; größere Exemplare sogar aus deutlich tieferen Schichten. Ab dem Drei-Blatt-Stadium beginnt die Pflanze neue Mandeln zu bilden – und damit das eigentliche Problem zu vervielfältigen.

Eine einzelne Pflanze kann im Verlauf einer Vegetationsperiode mehrere hundert neue Mandeln bilden. Diese sind frost- und trockenheitstolerant und überdauern im Boden teils über ein Jahrzehnt. Kaum ein Herbizid kann die Mandeln erreichen und schädigen. Alle Bekämpfungsansätze zielen daher darauf ab, die oberirdische Pflanze wiederholt zu schädigen und die Neubildung von Mandeln so stark wie möglich zu reduzieren – ein klassisches „Aushungern“ des Systems.

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Erdmandeln. Quelle: G. Haubenhofer

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Mais: Sanierungskultur oder Ausbreitungsfaktor?

Mais wird in der Praxis häufig ambivalent bewertet. Einerseits gilt er als die Kultur mit den besten chemischen Eingriffsmöglichkeiten gegen Erdmandelgras. Andererseits ist bekannt, dass sich Erdmandelgras vielerorts gerade dort etabliert hat, wo Mais über Jahre hinweg dominierte.

Dieser scheinbare Widerspruch löst sich bei genauer Betrachtung auf:
Mais ist keine Sanierungskultur per se, sondern wird nur dann zur Schlüsselkultur, wenn er gezielt und konsequent in eine mehrjährige Bekämpfungsstrategie eingebunden wird.

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Warum gerade Mais so wichtig ist

1. Breiteres Herbizidspektrum als in anderen Kulturen

Im Mais stehen Wirkstoffgruppen zur Verfügung, die in anderen Kulturen nicht oder nur eingeschränkt einsetzbar sind. Besonders Triketone in Kombination mit blattaktiven Wirkstoffen ermöglichen eine sichtbare und reproduzierbare Schädigung des Erdmandelgrases. Wichtig: Nicht die Einmalmaßnahme, sondern Spritzfolgen und Splittingstrategien bringen den entscheidenden Erfolg.

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2. Anpassungsfähige Anbaustrategie

Mais erlaubt pflanzenbauliche Stellschrauben, die gezielt gegen Erdmandelgras genutzt werden können:

  • Spätere Saattermine, um frühe Auflaufwellen vorher mechanisch oder chemisch zu schwächen
  • Hohe Saatstärken und ggf. engere Reihenabstände zur schnellen Bodenbedeckung
  • Nutzung stark beschattender Sorten

Eine schnelle und geschlossene Bestandsentwicklung nimmt dem lichtliebenden Erdmandelgras einen entscheidenden Wachstumsfaktor.

3. Kombination aus chemischen und mechanischen Maßnahmen

Im Mais lassen sich chemische Maßnahmen sinnvoll mit Hacktechnik kombinieren – allerdings mit Augenmaß. Jede Bodenbewegung kann neue Mandeln zum Austreiben anregen. Deshalb kommt es auf den richtigen Zeitpunkt an: Hacken nur dann, wenn Erdmandelgraspflanzen sicher verschüttet werden können und der Mais anschließend schnell beschattet.

4. Möglichkeit zu mehrstufigen Bekämpfungsstrategien

Versuche zeigen eindeutig: Einzelbehandlungen reichen nicht aus. Deutlich bessere Ergebnisse werden erzielt, wenn:

  • die erste Behandlung früh im Nachauflauf erfolgt (orientiert am Erdmandelgras)
  • eine zweite Behandlung nach 7–14 Tagen anschließt
  • bei Bedarf eine dritte Korrekturmaßnahme folgt, ggf. im Unterblatt- oder Dropleg-Verfahren

So lässt sich die Assimilationsleistung des Erdmandelgrases wiederholt unterbrechen – mit spürbaren Effekten auf die Knollenneubildung.

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Technik entscheidet über Wirkung

Ein häufig unterschätzter Erfolgsfaktor ist die Applikationstechnik. Erdmandelgras besitzt schmale, stark wachsbedeckte Blätter, die Wirkstoffe nur schwer aufnehmen. Praxiserfahrungen zeigen:

  • hohe Wasseraufwandmengen (300–500 l/ha),
  • sehr gute Benetzung,
  • passende Düsenwahl und Druckeinstellungen sind entscheidend für den Bekämpfungserfolg.

Gerade bei späteren Anwendungen im zunehmend geschlossenen Maisbestand kann die Unterblattapplikation einen deutlichen Mehrwert liefern.

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Quelle: C. Fuchs

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Quelle: G. Haubenhofer

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Nach 2 Behandlungen ist der Befall deutlich reduziert. 1. Welle: 1L Spectrum + Adengo, 2. Welle: 1,2L Botiga® + NM; 250 L/ha. Quelle: G. Haubenhofer

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Quelle: G. Haubenhofer

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Was Mais leisten kann – und was nicht

So wichtig Mais als Schlüsselkultur ist: Er ist kein Allheilmittel. Selbst bei optimaler Strategie bleibt ein Teil der Mandeln im Boden erhalten. Ziel ist daher nicht die kurzfristige „Befallsfreiheit“, sondern:

  • die Vermehrungsrate deutlich zu senken
  • die Ausbreitung innerhalb und zwischen Schlägen zu verlangsamen
  • Zeit für weitere pflanzenbauliche Maßnahmen zu gewinnen

Langfristig erfolgreich sind nur Systeme, die Mais sinnvoll mit Fruchtfolge, Bestandesführung, mechanischen Maßnahmen und konsequenter Hygiene kombinieren.

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  • Für Landwirte und Berater gilt:

  • möglichst früh reagieren

  • Einzelmaßnahmen vermeiden

  • Spritzfolgen konsequent planen

  • Applikationstechnik ernst nehmen

  • Maßnahmen über mehrere Jahre durchhalten

  • Nur so lässt sich die Dynamik dieses Problemunkrautes wirksam begrenzen.

Fazit

Mais spielt eine zentrale Rolle in der Erdmandelgrasbekämpfung – nicht, weil er das Problem löst, sondern weil er die besten Werkzeuge bietet, um es zu kontrollieren. Als Teil einer mehrjährigen, systematischen Strategie kann Mais helfen, den Befallsdruck deutlich zu reduzieren. Voraussetzung dafür sind frühes Handeln, konsequent geplante Spritzfolgen, saubere Applikationstechnik und pflanzenbauliche Disziplin.

Mais ist damit keine einfache Lösung – aber der wichtigste Baustein.